An Aschermittwoch gab es nur eine Mahlzeit

von johannes schlecker | Kempten Die närrischen Tage sind vorbei. Mit dem Aschermittwoch beginnt heute für die Christen die vorösterliche Fastenzeit. Während sich die Katholiken schon immer durch bewussten Verzicht auf das Leiden und die Auferstehung Jesu vorbereiten, grenzte sich die evangelische Kirche lange Zeit von der Tradition des Fastens ab. Über die Unterschiede und die Entwicklung der Fastenzeit sprach die AZ mit Vertretern der beiden Glaubensrichtungen.

l Die katholische Kirche

'Die Fastenzeit hat ihre Wurzeln im Alten Testament und dient der inneren Einkehr, um mehr für Gott aber auch für die Mitmenschen dazu sein', erklärt Schwester Reinholda vom Orden der Barmherzigen Schwestern. Noch in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hätten sich die Gläubigen stark an die strengen Vorgaben der katholischen Kirche gehalten. 'Viele sahen beispielsweise den bewussten Verzicht auf Fleisch als eine Verpflichtung an', sagt Ordenskollegin Schwester Emmanuela. Die 47-Jährige führt diese Haltung auf die damalige Gesellschaft zurück: 'Man kann das mit der Situation in den Familien vergleichen, in denen das Wort des Vaters Gesetz war.' Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er Jahren habe die Kirche die Tür für die moderne Welt geöffnet. 'Aus den Vorgaben der Kirche wurden Richtlinien. Die Form des Fastens wurde zu einer Entscheidung des Gewissens', erklärt Schwester Emmanuela.

Strenge Fasttage seien bis heute noch der Aschermittwoch und der Karfreitag. 'Früher nahmen die Menschen an diesen Tagen nur eine Mahlzeit zu sich', erinnert sich die Ordensschwester, die seit vergangenem Jahr in der Pfarrei St. Lorenz lebt.

Heute spiele wieder vermehrt die Spiritualität eine Rolle. 'In geistlichen Übungen wie den Exerzitien widmen sich die Gläubigen in Gruppen intensiv dem Gebet und der Besinnung', sagt Schwester Emmanuela.

l Die evangelische Kirche

Über Jahrhunderte hinweg hat das Fasten in der evangelischen Kirche praktisch gar nicht stattgefunden', erklärt Ulrich Gampert, Stadtpfarrer von St.-Mang. Martin Luther habe das Fasten zwar nicht grundlegend abgelehnt. 'Er hat aber dem Gedanken der katholischen Kirche widersprochen, Fasten sei ein Mittel, um das ewige Seelenheil erlangen zu können', sagt der Pfarrer.

Vor 25 Jahren erlebte die Passionszeit - wie die Fastenzeit in der evangelischen Kirche genannt wird - eine Renaissance. Damals habe eine Gruppe von Pfarrern und Journalisten die Aktion 'Sieben Wochen ohne' ins Leben gerufen. 'Seitdem verzichten viele Gläubige während der Passionszeit auf bestimmte Dinge wie Fernsehen oder Alkohol, um ihre Alltagsgewohnheiten zu überdenken', erklärt Gampert. Die Teilnahme sei aber nicht von der Kirche vorgeschrieben, sondern freiwillig. Teile der katholischen Fastentradition sind laut Gampert aber über Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben: 'Für viele war und ist der Verzicht auf Fleisch und Genussmittel an Karfreitag selbstverständlich.'

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