Ambulant geht vor stationär

Augsburg/Kaufbeuren (az). - Frau L. ist alkoholkrank, leidet an einer Depression und Gedächtnisverlusten. Als sie vor etwas mehr als zwei Jahren beim Gemeindepsychiatrischen Verbund (GPV) Kaufbeuren/Ostallgäu vorgestellt wurde, lautete eine Empfehlung, sie in einem Heim unterzubringen. 'Heute lebt sie nach wie vor in der eigenen Wohnung, hat soziale Beziehungen, arbeitet ehrenamtlich und als Hilfeform benötigt sie derzeit nur die Kontakte zum Sozialpsychiatrischen Dienst', schildert Petra Ruf einen Fall aus ihrer Praxis. Petra Ruf ist Koordinatorin beim GPV, dessen Arbeit beim Krankenhausauschuss des Bezirks Schwaben vorgestellt wurde. Der Verbund ist ein Gremium, in dem in der Region inzwischen fast alle Leistungserbringer im Bereich der psychiatrischen Versorgung verbindlich zusammenarbeiten. In regelmäßigen Hilfeplangesprächen werden dabei die möglichen Hilfen für chronisch psychisch kranke Menschen gesucht. 'Wir arbeiten personenzentriert, gemeindenah und nach dem Prinzip 'ambulant vor stationär', so Petra Ruf, 'denn eine psychische Erkrankung muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Mensch seine Wohnung aufgibt, seine Arbeit und seine sozialen Kontakte, nur weil irgendwo in einem Heim ein Platz frei ist'. 'Wir müssen von diesem Denken wegkommen und die so genannte Umhospitalisierung von der Klinik in ein Heim vermeiden', betonte auch Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. Wie die Befragung von Heimbewohnern, deren Ergebnisse dem Bezirk seit dem vergangenen Jahr vorliegen, erwiesen hätten, seien bis zu einem Viertel der Menschen dort falsch untergebracht, könnten und wollten auch in durchaus selbständigeren Wohnformen leben.

'Genau hinsehen' Der GPV sei ein Steuerungselement, das sowohl aus Sicht der Betroffenen als auch der Kostenträger zukunftsfähig sein. 'Natürlich wird es immer einige Heimplätze geben müssen', betonte Reichert, 'aber es wird noch genauer hinzusehen sein, wo eine Heimunterbringung angemessen und notwendig ist, und wo sie auch im Sinne des Einzelnen zugunsten einer selbstständigeren Lebensform vermieden werden kann'. Prinzip des Handelns müsse sein, 'was für die Menschen wichtig ist, und nicht für die Einrichtungen', so Reichert, 'mit dem GPV setzen wir auch ein deutliches Zeichen, dass wir es mit einem Umbau der schwäbischen Soziallandschaft sowohl im Sinne der Betroffenen als auch im Hinblick auf die Kosten ernst meinen'. Der Ausschuss stimmte in seiner Sitzung zu, den GPV Kaufbeuren/Ostallgäu weiterzuführen.

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