Am Truchsess-Weg bauen: ein Problem

Schwangau/München(oss). - Die Landschaft als trennendes Grün zwischen den Ortsteilen zu erhalten, das hat sich die Gemeinde Schwangau in ihr Dorfentwicklungskonzept geschrieben. Doch welchen Schutz genießt das Trenngrün im Dorf wirklich, wenn ein Mitte der 90-er Jahre getroffener Gemeinderatsbeschluss gegen Neubauten gekippt wird und so durch Vererben Grünland im Außenbereich gleichsam in Bauland umgewidmet werden soll? Und welche Konsequenzen ergeben sich dabei für ähnliche Anträge? Mit dieser Problematik muss sich jetzt der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtages befassen, der von Schwangauer Bürgern angerufen wurde. Es geht jetzt um einen 30 Meter breiten Streifen Wiese im Trenngrün zwischen Horn und Alterschrofen, bei einem Ortstermin wurden die Positionen vorgetragen. 1996 hatte sich Reinhold Sontheimer noch persönlich gegen eine Bebauung östlich des Truchsesswegs zwischen den beiden Ortsteilen ausgesprochen. Seitdem lag der Bauantrag einer Frau, die hier Grünland geerbt hatte, auf Eis. Zahlreiche Einheimischenbauprojekte wurden seitdem realisiert. 2002 stellte die Frau mit ihrem Mann erneut eine Bauvoranfrage, die sechs Jahre zuvor einstimmige Ablehnung wandelt sich in eine 8:4 Mehrheit im Gemeinderat. Im September 2003 wurde beschlossen, dass das Ehepaar wie zwei weitere Bauwerber auch auf dem 30 Meter breiten Streifen bauen dürfen. Sehr zum Ärger zahlreicher Bürger, die sich daraufhin an den Bayerischen Landtag wandten. Sie argumentieren, die Gemeinde verstoße gegen das Gebot des kommunalen Flächenressourcen-Managements (siehe weiteren Artikel). Eine Bebauung würde zudem den im Regionalplan geforderten Charakter einer Streusiedlung erheblich stören. Und sie hinterfragten, wie groß der tatsächliche Bauland-Bedarf der Bauwerber an dieser Stelle wirklich ist. Denn andere 'unproblematische' Baugrundstücke sind im Besitz der Familie einer Bauwerberin, die zweite lebt und arbeitet im Schwarzwald. Dabei, so betont Sontheimer, müssen die Bauherren den Neubau 20 Jahre selbst nutzen, nicht nur als Ferienwohnung.

Auf eigene Kosten erschlossen Bei einem Ortstermin machten sich die Landtagsabgeordneten Dr. Simone Strohmayr und Johann Hintersberger sowie Vertreter des Innenministeriums und des Landratsamts ein Bild der Situation, wobei auch die Beteiligten gehört wurden. So argumentierten die Bauwerber, dass der Truchsessweg auf eigene Kosten bereits voll erschlossen worden sei - ein Argument, aus dem die Antragsteller schließen, dass nicht nur im nördlichen Bereich gebaut werden soll, sondern auch in der Verlängerung nach Süden hin zum Kienbergweg. Ein Vermutung, die Bürgermeister Sontheimer nicht ausräumen wollte. Aber: 'Es gibt kein Recht auf freie Sicht', so Sontheimer Allerdings werde man Anfragen zu einer zweiten Bebauungszeile nicht unterstützen.

Furcht vor Folgefällen Dort besitzt der Bruder einer der Bauwerber weiteres Grünland. Würde dieser eines Tages darauf pochen, sein Land ebenfalls erschließen zu dürfen, würden die Grundstückspreise von jetzt wenigen Euro pro Quadratmeter für die Wiese auf mehrere 100 Euro pro Quadratmeter wie für Bauland üblich steigen, so die Gegner des Vorhabens. Und noch ein weiterer Punkt liegt ihnen am Herzen. Der Truchsessweg ist nur ein Exempel, bereits jetzt liegen Bauanträge für Brunnen und anderen Ortsteilen unter ähnlichen Vorgaben vor. Wenn dem hier stattgegeben werde, gehe das Bauen dort auch los, sind sie sicher. Und damit wäre der Zersiedelung der gerade für den Tourismus so attraktiven Landschaft Tür und Tor geöffnet. Und, ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis käme wohl nicht zustande, wenn im Truchsessweg tatsächlich gebaut werden dürfte, meinte eine Anliegerin.

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