Am Schluss bleibt ein Lächeln

Noichl, Leogrande und Kerber machen 'Weltmusik' in Mellatz Mellatz (ins). Es gibt Musik, die hört man nicht an, sondern die lässt man in sich rein. Musik, bei der man am besten die Augen schließt und die Bilder genießt, die ganz von selbst entstehen. Bilder von Landschafen, von Licht, Wasser und Farben. Markus Noichl, Pasquale Leogrande und Markus Kerber malen mit einer erstaunlichen Vielfalt an Instrumenten, Rhythmen und Tonfolgen solche Bilder. Das Publikum in der Kapelle der Comboni-Missionare in Mellatz war begeistert..

Der tibetische Mönch Bagdro, der eigentlich mit Untertongesang für dieses Konzert angekündigt war, ließ sich entschuldigen: Die Folgen von drei Jahren in chinesischen Gefangenenlagern hinderten ihn am Auftritt. Markus Kerber war kurzfristig in die Bresche gesprungen. Und so nannte Noichl den Abend ein 'Weltmusikkonzert ohne tibetischen Unterton'.'Weltmusik' - den Namen findet Markus Noichl abgedroschen. Doch wenn jemand diesen verheißungsvollen Titel zu Recht verwendet, dann Noichl mit seinen beiden Freunden. Da sind allein die Instrumente, ausgehend von Markus Noichls Hauptinstrument, der Harfe, über die Djembe (afrikanische Trommel), eine Bambus-Maultrommel, die indische Querflöte wie ihre irische Schwester 'Whistle', eine ägyptische Schellentrommel namens 'Req', Gongs, Zimbeln, Klangschalen, Vogelpfeifen, die seltenen Blasinstrumente Alt-Querflöte und Bass-Saxophon, bis hin zu einer Trommel, die durch Quetschen unterm Arm die Höhe verändert, und dem 'Waterphone', welches den Laut der Buckelwale nachahmt. Nicht weniger vielfältig die ethnischen Ursprünge der aufgeführten Stücke und Improvisationen: Immer wieder dienen irische Weisen als Grundlage (Noichls Großmutter stammt aus Irland), aber auch ein Jodler wird eingebaut neben afrikanischen Gesängen und Elementen des Jazz. Die Kombinationen all dessen scheinen zuweilen abenteuerlich - im positiven Sinne. Die drei Musiker führen mutig die kaum vereinbar scheinenden Einflüsse zusammen. Es fühlt sich an wie eine sanfte Entführung, wenn Pasquale Leogrande zu Beginn einen Gong ertönen lässt, danach ein paar exotische Schlaginstrumente erklingen, Markus Noichl leise auf dem hölzernen Klangkörper seiner Harfe trommelt bis die Finger wie zufällig auf die Saiten wandern. Es fühlt sich an wie eine Entdeckungsreise, wenn Markus Kerber, mit dem Bass-Saxophon die Harfenmelodie umspielt, wenn er es dann allmählich mit seinen tiefen Tönen wie ein Rhythmusinstrument benutzt und Drive entwickelt. Es fühlt sich an wie eine unbeabsichtigte Meditation, wenn man die Bilder vor dem inneren Auge betrachtet und plötzlich wahrnimmt, dass das Gesicht zu einem Lächeln geworden ist.

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