Am Feiertag früh aus den Federn

Von Stephan Schöttl, Oberbeuren - Für katholische Christen ist der Fronleichnamstag ein besonderes Fest im Kirchenjahr. Die Gläubigen ziehen in einem Prozessionszug durch die festlich geschmückten Straßen ihrer Heimatgemeinde. Bei Familie Rothärmel in Oberbeuren laufen die Vorbereitungen für das Fest schon seit einigen Tagen auf Hochtouren. Seit mehreren Jahrzehnten bereits liegt es in ihren Händen, einen der vier Oberbeurer Altäre, an denen die Prozession Halt macht, zu schmücken. Fronleichnam bringt so mancher mit Frauen und Männer in Trachten, Blasmusik, Blumen streuende Kommunionkinder und Festbeflaggung an den Häusern in Verbindung. Doch hinter diesen äußerlichen Formen des Glaubens steht weit mehr, wie der Pfarrer der Oberbeurer Pfarrei Sankt Dionysius, Stefan Gilg, erklärt: 'Fronleichnam ist das Hochfest des Leibes und Blutes Christi.' Immer zehn Tage nach Pfingsten wird das römisch-katholische Fest gefeiert. Der Name stammt von 'fron', was so viel bedeutet wie Herr, und 'lichnam', dem Leib, und weist auf die Elemente der Eucharistie hin. Typisch für diesen Feiertag ist eine geschmückte Prozession, bei der die geweihte Hostie in einer Monstranz durch die Straßen der Ortschaft getragen wird. 'Der Innenraum des Gotteshauses wird deshalb verlassen, weil die Kirche schon immer ein pilgerndes und wallfahrendes Gottesvolk ist', sagt Gilg.

Vier Altäre An vier Altären, die in alle vier Himmelsrichtungen aufgebaut sind, werden vom Pfarrer das Evangelium verkündet, Fürbitte gehalten und der Segen gesprochen. Auch in Oberbeuren zieren vier Altäre den Weg der Prozession: Am Pfarrhof, der Einmündung der Straße 'Am Schlößle' in die Tiroler Straße, der Ecke Tiroler Straße/Salzstraße und der Kreuzung Salzstraße/Obere Gasse werden die Altäre von verschiedenen Familien aufgebaut. Diese Arbeit erledigen die Familien Kozik, Lebherz, Fraidling, Heberle und Rothärmel. Bei Rothärmels ist dies schon lange Tradition: 'Der Altar an unserem Haus wird schon seit mehr als 60 Jahren aufgestellt', erzählt Clara Rothärmel. Morgens zwischen sechs und sieben Uhr bekommt die Familie aus dem Pfarramt Bescheid, ob die Prozession stattfindet. Dann beginnt die Arbeit: Zusammen mit den Nachbarn wird das rund zwei Meter breite Altargestell errichtet, die Feinarbeit ist Aufgabe von Clara Rothärmel. Begonnen wird mit dem weißen Altartuch und den Birkenzweigen als Umrahmung. 'In der Mitte des Altars wird ein antikes Marienbild als Mittelpunkt aufgestellt', erklärt Rothärmel. Ein Kreuz und zwei große Kerzen komplettieren den Aufbau. Früher seien auch die Straßen noch mit einem Blumenteppich ausgelegt worden. 'Irgendwann wurde der Verkehr in Oberbeuren aber zu viel und die Autos sind über die Blumen gefahren.' Weshalb heute nur noch der Altar mit Blumen ausgeschmückt werde. 'Für die zwei bunten Sträuße werden alle Blumen verwendet, die gerade blühen', sagt die Rentnerin. Dieses Jahr gebe es allerdings ein Problem: 'Ich muss mir die Blumen von anderen Familien holen, da in meinem Garten der Flieder bereits verblüht ist.' Pfingstrosen und Margeriten, so viel verrät Rothärmel, werden heuer zur Blumenpracht beitragen. Es sei schon 'eine recht aufwendige Arbeit'. Doch Clara Rothärmel werkelt so lange herum, bis ihr das Ergebnis gefällt. 'Schließlich ist es eine Ehre, einen der vier Altäre bauen zu dürfen', sagt sie. Aus diesem Grund hat sie sich auch bereiterklärt den Altar noch weitere Jahre zu bauen, als vor Kurzem die Anfrage aus dem Pfarramt kam. Für den Gottesdienst reicht die Zeit bei Clara Rothärmel allerdings nicht mehr. Der beginnt um 8.30 Uhr. Gegen 10 Uhr erreicht die Fronleichnams-Prozession dann schon den Altar an der Ecke Salzstraße/Tiroler Straße und stoppt für rund 20 Minuten am Gartenzaun der Rothärmels. 'Bis dahin muss alles fertig geschmückt sein.' Abgebaut werde erst wieder am Abend. 'Schließlich soll sich die Arbeit auch lohnen.'

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