Porträt
Alt-Oberbürgermeister Rudolf Krause feiert diese Woche seinen 80. Geburtstag

Mit seinem Wahlspruch, der Anwalt für alle Kaufbeurer sein zu wollen, gelang Rudolf Krause 1970 ein Coup: Bei der Oberbürgermeisterwahl besiegte er völlig überraschend den favorisierten Kandidaten der CSU, Hans Espermüller. Er wurde später zu seinem engsten Mitarbeiter im Rathaus. Bis 31. Oktober 1992 regierte dort Krause. Aus gesundheitlichen Gründen musste er drei Jahre vor Ablauf der Wahlperiode zurücktreten. Am kommenden Freitag feiert er seinen 80. Geburtstag - bei zufriedenstellender Gesundheit.

Geistig ist der Alt-OB fit wie eh und je. Daten und Namen sprudeln aus ihm heraus. Er erinnert sich an viele Details seines erfüllten Lebens. Zu schaffen macht ihm gerade sein Rücken. Die Folgen einer Operation plagen ihn noch. Deshalb hat er eine für Samstag geplante große private Geburtstagsfeier erst mal abgesagt. Gefeiert wird trotzdem: Am Freitagnachmittag hat die Stadt zu einem Empfang im Rathaus geladen. Dort wird Krause viele Weggefährten treffen und darauf freut er sich. Denn: «Ich mag die Menschen und die Menschen mögen mich.»

Die 22 Jahre als Stadtoberhaupt haben Krause zweifelsohne sehr geprägt. Er war sehr beliebt bei seinen Bürgern - das spürt er bis heute. Er selbst blickt auf seine lange Amtszeit zufrieden zurück. «Fehler macht man immer mal, aber ich täte auch aus heutiger Sicht nichts Bedeutendes anders machen.

» Deshalb steht Krause nach wie vor zur Kreisfreiheit Kaufbeurens. Der Stadtrat wollte 1973 Kaufbeuren eigentlich in den neuen Landkreis Ostallgäu eingliedern - gegen den Willen von OB Krause. Er erinnert sich noch genau daran, dass er in der entscheidenden Sitzung in einer «viel zu engen Jacke», unter der er noch die Bundeswehruniform von einem Einsatz als Oberleutnant der Reserve trug, saß. Mit 22 zu 19 Stimmen votierte das Gremium für die Eingliederung in den Landkreis. Krause musste den Beschluss als OB vollziehen, obwohl er dagegen war. Und er fand einen Ausweg, um doch noch die Kreisfreiheit zu behalten.

Wie öfter in seiner Amtszeit profitierte er von einem Studienkollegen, der ihm den entscheidenden Tipp gab, dass laut Gemeindeordnung «der Bürgerwille erforscht werden» könne. Bürgerbegehren gab es damals noch nicht. Krause beantragte die Abstimmung, bekam die Genehmigung und siegte: 68 Prozent der Kaufbeurer wollten die Kreisfreiheit. Der Stadtrat musste erneut entscheiden. Und dieses Mal votierten die Volksvertreter mit 22 zu 19 für die Kreisfreiheit. Genossen in seiner Amtszeit hat Krause stets auch die Reisen. Privat ist er ebenfalls gerne auf Achse. Schon 28 Mal besuchte er die USA, wo eine seiner Schwestern lebt. Krause wuchs in einer Familie mit neun Kindern auf. «Wir haben ein Leben lang zusammengehalten und viel mitgemacht.

» Die schwerste Zeit war die Flucht aus Schlesien, die Sorge um den Vater, der im Krieg war. Seinen ärgsten Schicksalsschlag musste Rudolf Krause 1984 verkraften, als sein Sohn an Leukämie starb.

Rudolf Krause blickt in diesen Tagen auf ein erfülltes Leben zurück - mit Höhen und Tiefen. Seit 54 Jahren dabei an seiner Seite Ehefrau Irene, die er schon als Bub in Ottobeuren kennenlernte. Krause weiß, was er ihr zu verdanken hat. Aus der Politik hält sich der Alt-OB seit seiner Pensionierung heraus. «Ein Vorgänger sollte nie seine Nachfolger und der Nachfolger nie die Vorgänger kritisieren», sagt er. Und auch wenn er sehr gerne Stadtoberhaupt war - der schönste Beruf für Rudolf Krause ist immer noch der Rechtsanwalt. «Da ist man wirklich ein freier Mann und hat keinen Chef über sich», sagt er. Erst Ende 2009 gab er seinen Beruf auf.

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