Kaufbeuren
Als Seelsorger ins Kloster

15 Jahre leitete er die Geschicke der Kaufbeurer Pfarrei St. Martin, jetzt tritt er als Stadtpfarrer ab: Adolf Nießner wird zum 1. September nicht mehr in der Kirchengemeinde St. Martin tätig sein. Eigentlich hätte der 64-Jährige noch weitermachen können, bis er 70 Jahre alt ist. «Die meisten Pfarrer hören dann auf», so Nießner. Er entschied sich jedoch, früher abzutreten. Und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: «Im Crescentia-Kloster ist die Stelle des Seelsorgers frei geworden», erzählt Nießner. Diese hatte der Franziskanerpater Kapistran bislang innegehabt. Er ist allerdings wieder in seine polnische Heimat zurückgekehrt. Gleich darauf habe Nießner dem Kloster signalisiert, dass er die Stelle gerne übernehmen würde. Das Kloster habe ebenso Interesse gezeigt und zugestimmt. Auch Bischof Walter Mixa war einverstanden. Die Sache war damit perfekt.

«Mir ist es wichtig, dass es im Kloster jemanden gibt, der für die Seelsorge zuständig ist», so der Pfarrer. Zudem sei er nun in einem Alter, in dem er auch ruhigen Gewissens Platz machen und die Verantwortung in die Hände eines jüngeren Nachfolgers legen kann.

«Mich hat die Arbeit als Pfarrer wirklich erfüllt», so Nießner. Er gibt allerdings zu: «Im Kloster kann ich mich natürlich völlig auf die Seelsorge konzentrieren.» Als Pfarrer hingegen müsse er nebenher noch Gremien wie den Pfarrgemeinderat oder die Kirchenverwaltung leiten, Feste organisieren und sich der Verwaltung widmen.

Erfahrungen als Seelsorger hat Nießner reichlich gesammelt. «Ich habe acht Jahre zusammen mit den anderen Pfarrern in Kaufbeuren die Notfallseelsorge geführt», berichtet der 64-Jährige. Die Stelle bestand bis 2005. Seitdem übernimmt diese Aufgabe das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes.

Während dieser acht Jahre hat Nießner als Notfallseelsorger viel erlebt: «Ich erinnere mich an einen Fall in der Adventszeit vor einigen Jahren», erzählt er. Damals sei ein schwerer Unfall mit jungen Leuten passiert. «Das war sehr schlimm», sagt er. Überhaupt blieben ihm viele Situationen, in denen er mit dem Tod zu tun hatte, in Erinnerung. «Trauergespräche mit Angehörigen sind mir immer nahe gegangen», erinnert er sich. Sein Glaube habe ihm in solch schwierigen Situationen geholfen: «Mir wurde bewusst: Gott weiß einfach mehr als wir alle», so Nießner.

Ein Mensch könne die Frage, warum derartige Schicksalsschläge passieren müssen, nicht einwandfrei beantworten.

Bei seiner Tätigkeit als Pfarrer habe er aber auch «viele positive Momente» erlebt. «Kinder zu taufen, das habe ich immer sehr gerne gemacht», erzählt er. Einfach dabei sein, wenn sich die Eltern über ihr Kind freuen - das hat für ihn den Reiz ausgemacht.

Einen «Höhepunkt» in seiner 15-jährigen Laufbahn in Kaufbeuren nennt Nießner die Heiligsprechung von Crescentia in Rom 2001. «Bei den Feierlichkeiten dabei gewesen zu sein, war beeindruckend», blickt Nießner zurück.

Vor seinem Abtritt wird der Stadtpfarrer seine Wohnung im Pfarramt St. Martin auflösen und in eine private Wohnung umziehen. Zukünftig wird er auch mehr Zeit für seine Hobbys haben: «Ich möchte viel lesen und mich der Historie widmen, die mich schon immer interessiert hat», hat er sich vorgenommen.

Nachfolge steht noch nicht fest

Wer sein Nachfolger wird, weiß Nießner, der am 6. September 1945 in Freudenthal im Sudetenland zur Welt kam, noch nicht. «Das geht mich nichts an», meint er. Entscheiden werde das letztlich der Bischof. Die katholischen Stadträte in Kaufbeuren haben jedoch ein Präsentationsrecht: Sie können mögliche Kandidaten vorschlagen. Konkrete Ratschläge will Nießner seinem Nachfolger nicht geben.

Nur so viel: «Es ist mit Sicherheit wichtig, in Zukunft viele junge Leute für die Kirche zu gewinnen und die Ökumene weiter zu stärken», betont der scheidende Stadtpfarrer.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019