Als Leibwächter ein Stück Weltgeschichte miterlebt

Kabul/Kempten (li). - Sechs Monate lang war ein Kemptener Hauptfeldwebel Leibwächter des ranghöchsten Soldaten der ISAF-Schutztruppe, nämlich des Heidelberger Nato-Kommandeurs Generalleutnant Götz Gliemeroth. Doch nicht nur das: Er begegnete bei diesem Einsatz internationalen Politikern wie Afghanistans Präsident Hamid Karsai, Ex-Nato-Generalsekretär Robertson oder US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Der Personenschützer, der aus Sicherheitsgründen für weitere Auslandseinsätze nicht genannt werden darf, begleitete zusammen mit anderen Soldaten des Personenschutzkommandos den Nato-Kommandeur zu Botschaften, Ministerien und Flüchtlingslagern. Bei diesen Einsätzen erlebte der Feldjäger immer wieder den Unterschied zwischen dem Elend der Flüchtlinge und der Pracht der Paläste. Er pendelte zwischen blühenden Gärten und schmutzigen Straßen, wo er das gepanzerte Fahrzeug mit seinem Gewehr sicherte, umringt von neugierigen Erwachsenen und zahllosen Kindern. Dabei hatte er immer wieder Kontakt zur Bevölkerung, die sich meist mit Händen und Füßen mit ihm unterhielten. Als Deutscher, so erzählt er, genieße man in Afghanistan hohes Ansehen. Die Menschen schätzten die deutschen ISAF-Soldaten. Zuweilen hätte diese Anerkennung merkwürdige Folgen. Als der Allgäuer bei einem Einsatz drei alte Männer vor einem Laden fotografieren wollte, reihten sich plötzlich sieben Personen stolz auf der Bank zusammen, die von dem Deutschen abgelichtet werden wollten. Intensivere Kontakte zur Bevölkerung scheiterten jedoch an dem Befehl an die ISAF-Soldaten, ihre Camps aus Sicherheitsgründen nicht zu privaten Ausflügen zu verlassen. Denn überall drohte Gefahr - durch Raketenangriffe und Selbstmordattentate, wie auf Kanadier und Briten Ende Januar.

Ausflüge ins Umland Nach solchen Anschlägen sei es nicht leicht gewesen, mit dem General durch Kabul zu fahren. Viel häufiger als sonst habe er Blaulicht und Sirene eingeschaltet, um freie Bahn zu haben, erinnert sich der Kemptener. Überhaupt habe der Verkehr in Kabul mit klapprigen Fahrzeugen und fehlenden Verkehrsregeln seine ganze Konzentration erfordert. Die Höhepunkte seines Aufenthalts seien zweifelsohne Hubschrauberflüge ins Kabuler Umland sowie ein Flug nach Kunduz gewesen: Die Landschaft am Hindukusch habe trotz ihrer Kargheit ihre Reize und als Allgäuer hat der Kemptener Soldat den Anblick der 3000 Meter hohen Berge genossen. Eine Belohnung für seine Tätigkeit sei für den 35-Jährigen die fast selbstverständliche Nähe zu bekannten Persönlichkeiten gewesen. 'Ich durfte mit der ,Loya Jirga' im Dezember vergangenen Jahres sogar ein Stück Weltgeschichte erleben', erzählt er stolz. Denn er war dabei, als 500 Stammesvertreter über die neue Verfassung Afghanistans entschieden. Mit nach Hause brachte der Feldjäger über 2000 Fotos vom ISAF-Einsatz - und viele interessante Eindrücke. Dennoch sei er froh, wieder im Allgäu zu sein, denn endlich könne er ohne Angst vor Attentaten durch die Stadt und einen Wald laufen.

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