Sonthofen
Als die Vorfreude eine Woche zur Ewigkeit werden ließ

Martin Hehl hat sie alle aufgelistet - die unzähligen Märkte, Basare und sonstige «Events», die neben der musikalischen wie lukullischen Veranstaltungsdichte die «stade» Zeit konterkarieren. Mit der traditionellen vorweihnachtlichen Lesung «Wienächte züe» in Sonthofens Kulturwerkstatt wollte der Oberstdorfer Mundart-Dichter gemeinsam mit der solchermaßen ebenfalls ambitionierten und bekannten Bad Hindelangerin Thekla Hafner und dem «Debütanten» Dietmar Martin aus Sigishofen einen heiter-besinnlichen (Ruhe)-Akzent setzen. Außerordentlich anmutig musikalisch garniert durch die Stimmgewalt (mit beachtlichem Jodler-Pontenzial !) des Oberstdorfer Trachtengesangs und durch filigrane Saitenklänge der Leitenweg-Museg aus Ofterschwang war der Erfolg sozusagen vorprogrammiert - und Monika Bestles Werkstatt bis auf den allerletzten Notsitz «ausgebucht». Von fast ausschließlich Einheimischen, versteht sich, denn an diesem Abend waren die «höheren Weihen» der differenzierten Oberallgäuer «Dialektik» gefordert!

Nostalgische Rückblicke

Zu einem vorweihnachtlichen Spaziergang - von der Klöüsezidd bis hin zum Heileg Obed - waren die Besucher eingeladen. Mit jeder Menge nostalgischer Rückblicke in Brauchtum und Kindheitsträume. Während Thekla Hafner (mit einer «Winterwold»-Betrachtung und einem immerfort nächtens Suchenden oder der Hinterfragung des Weihnachtswunders) und Dietmar Martin (mit «Herbstschnee», dem letzten Blättle am Baum, «Bethlehem ist überall») eher nachdenklich «philosophische» Reminiszenzen zu Gehör brachten, mischte Martin Hehl seine adventliche Mundart-Spurensuche durch witzige Anekdoten auf.

Wie beim «klei Schifahrer», den ein menschliches Bedürfnis arg in Bedrängnis bringt oder beim selbst gestrickten Alpsommer-Häs einer ganz besonderen Heiligen Familie, die er beim «Krippele-lüege» entdeckte und die seine kindliche Fantasie zu (sprachlichen wie «psychologischen») Höhenflügen trieb.

Wie allseits bekannt, war früher alles besser! Da legte man noch Zettel ans Christkind auf den Fenstersims und gelobte Besserung im neuen Jahr (für den Fall, dass die Wünsche erfüllt wurden) und der brave Bub wünschte sich Klötzle vom Schreinerabfall, um sich daraus sein kleines Paradies zu gestalten. Da war´s noch still und voller Erwartung im Advent - und die Vorfreude ließ eine Woche zur Ewigkeit werden, erinnerten die Mundart-Dichter. Aber es gab auch so allerlei Widrigkeiten in der Grauzone zwischen hehren Zielen und der Realität zu meistern.

Wie die «ganz besondere Weihnachtsfeier», bei der von den eingeladenen «Wiebrn», über Bischof, Klausen & Co. so ziemlich alles aus dem Ruder lief oder die Geschichte vom selbst geschlagenen Weihnachtsbaum mit eigentümlichen «Gschmäckle», der nebst «Tante Vefas Wiehnächtsgschenk» zum absoluten Super-Gau wurde.

Das Publikum war begeistert von dieser inhaltlich wie mundartlich höchst differenzierten adventlichen Bestandsaufnahme und ihrer trefflichen musikalischen Untermalung.

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