Als der Haarschnitt noch 60 Pfennige kostete

Buchloe (ml). - Der wirtschaftliche Aufschwung in den 50er Jahren und insbesondere die Erhebung zur Stadt 1954 sorgten in Buchloe natürlich für viel Gesprächsstoff. Ein Ort, an dem fleißig Neuigkeiten ausgetauscht wurden, war der Friseursalon von Adam Bauernschmid, der seit 1950 sein Geschäft An der Halde betrieb. Für den heutigen Teil unserer Serie 'Buchloe vor 50 Jahren' blickte er auf diese Zeit zurück. Bauernschmid, der am 2. Februar 1923 in Wasserburg am Inn geboren wurde, kam mit sieben Jahren nach Buchloe. Als 13-Jähriger begann er eine Friseurlehre. Nach deren Ende im Jahr 1939 konnte er jedoch seinen Beruf nicht ausüben - er musste als Soldat nach Russland. 'Als Lehrling habe ich noch im Buchloer Gefängnis die Insassen rasiert. Angst hatte ich dabei aber nicht', erzählt Bauernschmid.

Bis 1948 in Gefangenschaft 1948 aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt, baute er sich in Buchloe eine neue Existenz auf. '1950 habe ich meinen Friseursalon eröffnet. Das Haus hatte mein Vater, der gelernter Maurer war, eigenhändig gebaut. Ich habe ihm dabei als Handlanger assistiert', erinnert sich der heute 82-Jährige. 'In den 50er Jahren war bei mir im Salon schon was los, ich hatte unter anderem die jungen Leute, die mit mir in die Schule gegangen sind und viele Bauernsöhne als Kunden.' Hauptgesprächsthema zu dieser Zeit waren noch die Erfahrungen während der Kriegsgefangenschaft, doch das änderte sich bald mit dem zunehmenden Wohlstand in Buchloe. 'Die Häuser waren schöner geworden, man hatte an den Straßen viel verändert, jeder wollte Arbeit haben, bauen und eine Familie gründen', sagt Bauernschmid. 'Und vor allem sind die Leute wieder mehr zum Friseur gegangen', fügt er hinzu. Der Haarschnitt kostete bei ihm damals 60 Pfennige, das Rasieren 20 Pfennige - 'und mit Kölnisch Wasser 25 Pfennig'. Die Kunden auf der 'Wartebank' erzählten ihm viel von den politischen Veränderungen in Buchloe, sagt er. 'Bürgermeister Uebele war schon ein anerkannter Mann. Nur darüber, dass sich in Buchloe damals noch kaum Industrie ansiedelte, regten sich die Leute auf.' Die Stadterhebung im Jahr 1954 bewegte auch den Friseur Bauernschmid: 'Das war eine tolle Sache, da war alles auf den Beinen. Es wurde bei mir im Salon nur noch darüber gesprochen, was man für die neue Stadt Buchloe alles veranstalten sollte.' Besonders wichtig in seinem Beruf war dem Friseur immer, verschwiegen zu sein. 'Man war schon ein bisschen wie ein Priester, weil man viel für sich behalten hat. Vor allem, wenn die Leute schlecht über andere geredet haben. Das ist aber heute immer noch so.' 1956 lernte Bauernschmid seine Frau Elli kennen, die als Friseurin arbeitete. Er stellte sie gleich bei sich ein und sie eröffnete neben dem Herrensalon einen Damensalon im selben Haus.

Umgängliche Buchloer Schon damals bekamen die Beiden auch den Ärger ihrer Kunden ab. 'Eine Dauerwelle kostete um 1960 12 Mark, da hat man mich oft unverschämt genannt. Aber es hat jeder Friseur gleich viel verlangt.' Im Grunde genommen seien die Buchloer, die ihm in den 50er Jahren und auch später in seinem Salon die Neuigkeiten der Stadt erzählten, immer umgänglich gewesen, sagt Bauernschmid. Bis 2001 half er noch selbst in dem Traditionsbetrieb aus, den nun seine Tochter führt, und verschönerte Buchloer Köpfe mit den passenden Haarschnitten.

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