Als Dank einen Augenblick

Marktoberdorf (af). - Ganz genau folgt das Auge, während Carina Heindl und Veronika Settele auf ihren Instrumenten spielen. 'Es ist ein richtiges Ansehen und damit auch ein Ankommen. Das ist schon sehr viel', wertet Cornelia Jeschek die Reaktion. Die Sinne berühren: Das ist oft die einzige Möglichkeit, überhaupt mit den schwerstkranken Patienten in Kontakt zu treten. An diesem Brückenschlag zu Bewohnern des Marktoberdorfer Gulielminetti-Heimes bauen seit kurzem auch Schüler des örtlichen Gymnasiums in einem laut Heimleiterin Renate Dauner bislang einmaligen Projekt. Entstanden ist die Aktion auf Anregung des Arbeitskreises Hospiz-Palliativ-Care um Heidi Huber, im Gulielminettiheim Stationsleiterin. Nach kurzem Briefwechsel mit dem Direktor des Gymnasiums, Dr. Lorenz Deuringer, berichtete sie im Ethik-Unterricht der zehnten Klassen über die Arbeit dieses Kreises. Einige Schüler meldeten sich spontan dazu, einmal in eine Einrichtung für alte Menschen zu 'schnuppern', andere boten ihre musikalische Unterstützung an. Dass die 'Schnupperer' sich vor allem mit der Biografie der Bewohner beschäftigen sollten, hatte seinen Grund: 'Sie sollten erkennen, dass auch diese Menschen ihre Träume hatten. So wie die Jugend heute.' 'Es war eine Vorbereitung darauf, dass wir alle alt werden, dass wir dann vielleicht nicht mehr so schön ausschauen, dass wir aber alle eine Vorgeschichte haben', ergänzte Renate Dauner. So wie bei dem Mann, dessen Zimmer imposante Fotos von Bergwanderungen schmücken. Kurz nach diesen Aufnahmen war mit einem Schlag alles vorbei. Seitdem ist er ein Pflegefall. Die Aktion, so Dauner, soll sensibel machen für die Situation des Nächsten. Gleichzeitig spiele die Überlegung eine wichtige Rolle, wie man selbst einmal später behandelt werden möchte. Für Direktor Deuringer bedeutet Schule auch, in die Gesellschaft hineinzuwachsen. Daher sei es ihm ein 'ernsthaftes Anliegen' gewesen, dem Wunsch der Heimleitung zu entsprechen. Mut habe ihm dabei die Reaktion der Eltern gemacht. Nirgendwo sei er auf Ablehnung gestoßen. Freilich sei der Schritt für die Schüler nicht einfach. Daher reagierte auch Carina Heindl zunächst so wie wahrscheinlich jeder, der zum ersten Mal Personen gegenüber steht, deren Körper oft verkrampft ist, denen jeder Atemzug hörbar schwer fällt. Um die Schüler mit ihren Eindrücken nicht allein zu lassen, begleitet sie ganz behutsam stets ein ehrenamtliches Mitglied des Arbeitskreises. Bei Carina und Veronika ist dies Cornelia Jeschek. Farben, Düfte und Musik seien es in der Hauptsache, auf die die Patienten noch ansprechen. Interessant daran sei, dass auf Musik vom Band keine Reaktionen erfolgten, wohl aber, wenn ihnen gleichsam live im Zimmer etwas vorgespielt werde. 'Einer hat sogar versucht sich aufzurichten. Das hat er seit Jahren nicht mehr getan', schilderte es Heidi Huber.

Weitere Projekte geplant Auf Musik allein soll das Gemeinschaftswerk zwischen Heim und Gymnasium nicht beschränkt bleiben. Deuringer will ebenso die Kunsterzieher dazu animieren, mit den Schülern die Räume dieser Patienten farblich zu gestalten. Lesungen seien ferner in Planung. 'Wir wollen auch diesen Leuten Freude geben', erklärte Renate Dauner, 'und sie nicht nach Schema F behandeln.' Für Carina Heindl ist die musikalische Unterhaltung der Patienten inzwischen ein Geben und Nehmen. 'Es ist schön, wenn die Leute sich freuen. Es ist eine Freude von innen heraus.' Auch wenn die sich manchmal nur noch in der Bewegung des Auges ausdrücken kann.

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