Röthenbach
Allgäuer Nikolaus in Australien

Bruno Schwärzler ist derzeit ein gefragter Mann: Bei 35 Grad im Schatten schlüpft er in das Gewand des heiligen Nikolaus, besucht Schulen, Kirchen und Clubs. Seit 60 Jahren ist Schwärzler als Nikolaus unterwegs, erst in Röthenbach, wo er groß wurde, heute in Südaustralien. Dorthin ist der 75-Jährige 1960 ausgewandert. «Auch in Australien ist der Respekt vor dem Heiligen groß», berichtet Schwärzler der Heimatzeitung.

Bruno Schwärzler hat einen großen Teil seiner Jugend im Argental verbracht. Nach einer Schlosser- und einer kaufmännischen Lehre war er im Eisenwarenhandel beschäftigt. 1949 wurde in Röthenbach ein Knecht Ruprecht benötigt. Schwärzler zog sich das Gewand des Krampus über, wenige Jahre später übernahm er die Rolle des «Nikolaus». Jahr für Jahr schlüpfte er fortan in die rote Roben des Heiligen. Wenn er berufsbedingt nicht im Westallgäu war, zog es ihn zum 6. Dezember zurück nach Röthenbach. «Am Vorabend von Nikolaus musste ich in Röthenbach sein», sagt er. Als Bruno Schwärzler schließlich 1960 auswanderte, war das Nikolausgewand mit in seiner Seekiste.

Alter Brauch in neuer Heimat

Heute wohnt er in Wandin im Osten von Melbourne, der südlichsten Millionenstadt der Welt. Den alten Brauch aus seiner früheren Heimat pflegt er auch hier. Schon drei Jahre nachdem er «Down under» angekommen war, zierte ein Foto von Bruno Schwärzler als Heiliger Nikolaus die Titelseite der Melbourner Zeitung «The Age» (Das Zeitalter). Viele tausend Kinder hat er seitdem rund um den 6. Dezember besucht. Auf der anderen Seite des Erdballs hat er dabei mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen: Im Dezember ist es dort bis spät in den Abend hinein hell, Schnee ein Fremdwort.

Doch auch bei sommerlich-heißen Temperaturen ist der heilige Mann ein gefragter Mann. «Wenn er die Geschichte vom heiligen Nikolaus erzählt, kann man eine Nadel fallen hören», berichtet Tochter Martina Lindsay, per E-Mail über die Auftritte ihres Vaters.

In seiner neuen Heimat hat Bruno Schwärzler seine Wurzeln nie verleugnet. Zwölf Jahre lang hat der frühere Röthenbacher nebenbei in einem Schulverein Deutsch unterrichtet, sie bis zum «Abitur» begleitet. Noch heute kann er 800 deutsche Volkslieder anstimmen. Wenn er es tut, leistet ihm seine Gitarre gute Dienste. Seine Vergangenheit im Westallgäu hat er nicht vergessen. Bruno Schwärzler schreibt an einem Buch über seine Kindheit und Jugendzeit. Der Nikolaus wird darin wohl eine wichtige Rolle spielen.

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