Aktion: Mehr Sinn statt Weingeist

Sonthofen (ros). Was die Statistiker in nüchternen Zahlen belegen, dass nämlich immer mehr Jugendliche immer früher zur Flasche greifen, hat den Sonthofer Stadtrat parteiübergreifend zu einer großen Aktion auf den Plan gerufen (wir berichteten). Bei einer Informationsveranstaltung im Haus Oberallgäu ging es vor einem interessierten und großen Publikum um diese Problematik. Die Schwerpunkte dieser Aktion wurden den Besuchern unter der Moderation von Stadtrat Rudi Gropper vorgestellt und durch fachkundige Referenten thematisch erweitert. Dabei appellierte Jugendreferentin Petra Müller, die die Initiative zu dieser Aktion ergriff, an das Verantwortungsbewusstsein und die erhöhte Wachsamkeit von Eltern, Jugend- und Sportverbänden, sowie an Gaststätten- und Tankstellenbesitzer, die strengen gesetzlichen Auflagen, die eine Alkoholabgabe an Jugendliche unter 18 Jahren verbieten, sorgfältig zu beachten. Ein besonderes Problem sieht die Referentin in den sogenannten Alkopops, die in der Mogelpackung poppig dargebotener süßer Limonaden getarnt und listig mit Hochprozentigem angereichert, für viele oft ahnungslose Jugendliche zur Alkohol-Einstiegsdroge werden. Auch Wolfgang Frommel, mit Suchtfragen und Prävention beauftragter Sozialpädagoge beim Jugendamt, kritisierte die Alkopops, wie auch der Jugendbeauftragte der Sonthofer Polizei, Florian Wechs. Zwar mache die Polizei regelmäßig Razzien in Gaststätten (was man zukünftig auch verdeckt noch verstärken will), aber was bei privaten Parties abgeht, das obliege der Sorgfaltspflicht von Eltern, Jugend- und Sportvereinen, betonte er. Einen psychologischen Aspekt brachte Dr.

Jürgen Kroll, Oberarzt der Adula-Klink Oberstdorf, ein. In einem ausführlichen Statement erläuterte der Referent, dass Sucht bereits vor dem Konsum entstehe. Ein Süchtiger verliere den klaren Blick für die Brutalität der Zerstörung. Gefährdete durchlaufen viele Spiralen des Lebenskreislaufs mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Gefühlen, wenn diese Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Spiritus kontra Spiritum oder besser Sinnvertiefung kontra Weingeist, heiße die Lösung für eine wirksame Suchtpräventation, argumentierte der Referent. Den Betroffenen emotional zu öffnen, um Alltagskonflikte zu bewältigen und ein stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen, ihm zum Erlebnis-Genuss ohne Suchtmittel zu verhelfen, das sei die Aufgabe von Angehörigen und Therapeuten. In der Diskussion ging es um hautnahe Beobachtungen. Verbote zu übergehen und Grenzen zu überschreiten sei zu allen Zeiten der Wunsch vieler Jugendlicher. Aber dafür gebe es zahlreiche Spielmöglichkeiten. Problemlösung durch Konsum, welcher Art auch immer, sei die falsche Fährte, wurde einheilig betont: Alkohol ist uncool, hieß es.

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