Kaufbeuren
Äußerst intensives Spiel

Ein Stück ganz ohne Männer und doch von ihnen beherrscht. Eine minimalistische Bühne, experimentelle Choreografien, eine ausgefeilte Lichtshow und musikalische Dramatik. Vor allem aber neun Frauen, die das Premierenpublikum in der Kulturwerkstatt mit höchst intensivem Spiel fast zwei Stunden lang fesseln. Dafür gab es in «Bernarda Albas Haus» am Ende begeisterte Pfiffe und riesigen Applaus.

Dramatisch umgesetzt

Thomas Garmatsch hat die Tragödie des spanischen Autors Frederico García Lorca ausgesprochen dramatisch und wirkungsvoll umgesetzt. Mit einer ausdrucksvollen Choreografie verdeutlicht er gleich zu Beginn - noch ohne Worte - die qualvolle Enge im Haus der bigotten Bernarda: Vergeblich rennen ihre fünf Töchter gegen die Mauern des harten Regimes an, um ihre Sehnsüchte (symbolisiert durch Hochzeitskleider) zu verwirklichen. Martina Quante verkörpert überzeugend die gefühlskalte, nur auf den äußeren Schein bedachte Bernarda, der Standesdünkel und das Gerede der Dorfbewohner wichtiger sind als ihre Töchter.

Immer wieder schnappt das Publikum empört nach Luft, wenn sie im schlichten grauen Kleid den jungen Frauen ihre mittelalterlich-strengen Anweisungen zu den Rollen von Frau und Mann aufdrängt.

Die fünf Töchter leben die Doppelbödigkeit ihrer Existenz durch gekonnte Posen für die Dorfbewohner, sprich das Publikum, zumeist unterwürfiges Verhalten der Mutter gegenüber (zum Beispiel Michaela Schuster als Magdalena) und hasserfüllten Zerwürfnissen untereinander. Dabei wechseln stets die Bündnisse, die die fünf Frauen untereinander eingehen. Als jedoch nach und nach klar wird, dass mindestens drei Schwestern den gleichen Mann lieben, verhärten sich die Fronten. Ohnehin schon unter extremem Druck durch den von der Mutter geforderten Verzicht auf Männer und Gefühle, kochen letztere über.

Besonders aktiv agieren dabei Martirio (intensiv und eindrucksvoll: Doreen Naß), Adela (ausdrucksstark: Constanze Berlin) und Angustias (Katrin Meyer), die als älteste und Erbin den von allen drei verehrten Pepe El Romano heiraten soll. An dieser Hochzeit hält Bernarda trotz aller Warnungen ihrer langjährigen Magd Poncia (Stephanie Reis) fest. Wie stark sich die totalitäre Unterdrückung auswirkt, verdeutlicht Garmatsch unter anderem dadurch, dass zum Ende alle Frauen die gleiche Perücke tragen - bis auf Bernardas Mutter (herrlich schräg: Annemarie Maas), die sich unbeirrt gegen ihre Tochter auflehnt und die Dramatik des Stücks mit einigen Lachern auflockert. Aber auch die jüngste Tochter Adela nimmt dem Ende zu die Perücke ab und versucht, auszubrechen und ihre Leidenschaft zu leben.

Ob es ihr gelingt, sei nicht verraten. Nur so viel: Das Stück beginnt und endet mit einem Tod - und es wurde nur zwei Monate vor dem gewaltsamen Tod des Autors fertiggestellt. Daniela Hollrotter

Die Kulturwerkstatt zeigt «Bernarda Albas Haus» (empfohlen ab 14 Jahren) noch am 21., 22., 23., 24., 28., 29. und 30. Januar jeweils um 19.30 Uhr. Am 29. Januar um 10 Uhr findet eine Schulvorstellung statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018