Kaufbeuren
Abgang ohne Applaus für tragischen Tragust

Am Ende ist der Held manchmal ein tragischer. Und selten spielte diese Rolle in der Sparkassenarena jemand derart dramatisch und mitreißend wie Thomas Tragust am Freitagabend. Der Abgang von Kaufbeurens Torwart blieb allerdings ohne Applaus. Sport ist eben kein Theater.

Nach den Toren von Daniel Oppolzer (10.), Jordan Webb (17.) und Jakub Körner (52.) hatte der ESV Kaufbeuren den souveränen Tabellenführer der Zweiten Eishockey-Bundesliga aus München kurz vor Spielende beim Stand von 3:2 am Rande einer Niederlage. «Wir haben heute nicht schlecht gespielt. Mit der taktischen Umsetzung war ich sehr zufrieden», übte sich ESVK-Trainer Ken Latta nach Spielende in Bescheidenheit. Tatsächlich zeigten die Joker eine starke Leistung und mussten erst nach einem überragenden ersten Drittel ihre Überlegenheit an die hochfavorisierten Gäste abgeben.

Dabei war es vor allem Kaufbeurens weltmeisterlich aufgelegter Schlussmann, der den 2306 Zuschauern im Minutentakt Applaus abverlangte. Am Ende fehlten ihm fünf Sekunden zu einer perfekten Vorstellung. Mit einem Verzweiflungsschuss von kurz hinter der Mittellinie überraschte Münchens Sebastian Vogl - wohlgemerkt in Unterzahl - den italienischen Nationaltorwart und rettete seine Farben in die Verlängerung. «Thomas hat das ganze Spiel überragend gehalten. Diesen Schuss muss er jedoch halten. Aber das weiß er auch», so ESVK-Kapitän Emil Ekblad.

Siebte Pleite in Folge

In der Verlängerung war es schließlich Ex-Joker Brandon Dietrich der dem ESVK mit seinem Treffer zum 3:4 die siebte Niederlage in Serie bescherte. Und erneut gab es dazu die bittere Erkenntnis: Gut mitgespielt reicht eben nicht. «Die drei Punkte gegen München hätten uns sehr gut getan. Die Moral ist noch da, aber das Selbstvertrauen leidet allmählich», so Ekblad angesichts der drei jüngsten Heimniederlagen jeweils nach Ablauf der regulären Spielzeit.

Überhastet in Überzahl

Ob aus mangelndem Selbstvertrauen oder von der sich anbahnenden Sensation gehemmt, in den letzten beiden Minuten der regulären Spielzeit fehlte dem ESVK vor allem eines: Abgeklärtheit. Zu überhastet, zu undurchdacht nutzen die Joker ihre numerische Überlegenheit. «In Überzahl musst die drei Punkte nach Hause bringen.

Da gibt es keine Diskussion», betonte auch Latta und beklagte vor allem das unerfahrene Auftreten seiner Mannschaft. «Es standen sechs Spieler auf dem Eis - inklusive Torwart. Und alle sechs haben geschlafen», monierte der Kaufbeurer Übungsleiter. Die ganze Saison über würde sein Team nun schon Lehrgeld bezahlen und immer wieder Punkte liegen lassen. «Der EHC hat uns heute beweisen, dass ein Eishockeyspiel eben 60 Minuten geht - und nicht 59 Minuten und 55 Sekunden. Ich hoffe, dass die Spieler diese Lektion nicht vergessen», so der Trainer weiter.

Schnell weg

Thomas Tragust wird es sicherlich nicht. Auf dem schnellsten Weg verlies der Italiener nach Spielende das Stadion. Auf Nachfrage der AZ erklärte er am nächsten Morgen: «Ich kann mir das selbst noch nicht erklären. Bis Sonntag muss ich das schnellstmöglich vergessen. Da braucht mich die Mannschaft wieder». Denn da musste der ESVK zum Vorjahresmeister SC Bietigheim Steelers.

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