Ab in die Kabine und andere Bands dissen

Kempten(se). - Vor Anfragen kann sich Marcus Zahnleiter kaum noch retten: 'Bis aus Augsburg wollten schon junge Leute zu uns kommen.' Der Kemptener Streetworker verfügt nämlich über ein kleines, aber feines Aufnahme-Studio in einem Raum des Jugendamts. Und Musik - vor allem Hip Hop - sei zurzeit der Mega-Renner bei der Jugend. Oleg Seifert (16) und der 19-jährige Marco Viaggio beispielsweise basteln stundenlang an eigenen Werken. 'Wir wären aber gern noch viel öfter hier.' Für die eigenen CDs legen sich die Nachwuchs-Produzenten richtig ins Zeug: Wegen des Straßenlärms waren früher besonders die Gesangs-Aufnahmen nicht hundertprozentig sauber. Also packten einige Heranwachsende an und installierten in Eigenleistung eine schallgedämmte Gesangskabine. 'In drei Tagen haben sie das Ding aufgestellt', erinnert sich Zahnleiter, 'wenn sie wirklich wollen, können sie auch.' Ein Keyboard und die Computer-Software hat Zahnleiter, den sie alle nur 'Luigi' nennen, aus seinem privaten Fundus beigesteuert. Anfangs erklärt er die relativ komplexen Programm-Funktionen, danach seien die Musiker weitgehend auf sich gestellt. 'Das macht Riesenspaß' sind sich Gymnasiast Oleg und Pizzafahrer Marco einig. Die beiden haben sich Hiphop und Soul verschrieben, einen griffigen Bandnamen suchen sie noch. Den Großteil ihrer Stücke komponieren sie selbst.

Auch das Cover gehört dazu Zur kompletten Produktion gehört auch ein Cover für die CD. Gerahmt prangen einige der Montagen im bescheidenen Studio, etwa von den 'Bad Girlz' oder 'Swetlana'. Mit den Kompositionen von Aussiedler-Mädchen nahm das Medienprojekt vor einigen Jahren seinen Anfang. 'Als die ersten CDs in Umlauf kamen, waren viele Jugendliche sofort begeistert von den Möglichkeiten', erzählt Zahnleiter. Mittlerweile ist der Terminkalender für die Aufnahmestation rappelvoll. Sendungen wie 'Deutschland sucht den Superstar' hätten den Boom noch beflügelt. 80 Prozent aller Produktionen gehen laut Zahnleiter in Richtung Hip Hop. Der Sprechgesang, entstanden in den Schwarzen-Ghettos der USA, ist der angesagte Stil. Nicht zuletzt, weil sich darin das bei der Jugend ebenfalls populäre 'Dissen' zur Perfektion treiben lässt: Runtermachen von missliebigen Gangs, Organisationen oder auch anderen Bands.

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