80-Jähriger vergeht sich an Mädchen (elf)

Kempten | se | Weißes Haar trägt der Senior. Er hört die Fragen des Richters schlecht. Und er ist so beschämt, dass er immer wieder sein Taschentuch aus dem Hosensack nestelt, um sich die Tränen aus den Augen zu wischen. Auf der Anklagebank muss er Platz nehmen. Sexueller Missbrauch eines Kindes wird ihm vorgeworfen. Zur Tatzeit war das Mädchen elf, der Täter 80 Jahre alt. Der Austragslandwirt erhält eine Bewährungsstrafe über 14 Monate und muss 1000 Euro Schmerzensgeld abstottern.

Er kann sich nicht erklären, was damals über ihn kam, erklärt der Altbauer sichtlich aufgewühlt. Das Mädchen aus der Nachbarschaft war offenbar auf dem Nachhauseweg von der Schule und hatte im Stall vorbei geschaut. Da verging sich der Senior an dem Kind. 'Ja, gesteht er bebend, 'ich weiß, das ist ein Verbrechen.' Kurze Zeit später holt ihn bereits die Polizei vom Hof. Fast einen Monat sitzt er daraufhin in Untersuchungshaft. 'Ganz hilflos' hat er sich dort erlebt.

Ungeschehen wolle er seine Tat am liebsten machen. Und natürlich gestehe er alles, was ihm vorgeworfen wird und bereue die Tat. Eine Vernehmung erspart er dem Mädchen dadurch. Eine Entschuldigung beim Opfer ist ihm allerdings bisher nicht über die Lippen gekommen.

Psychiater und Psychologen haben den Angeklagten nach der Tat begutachtet. Trotz seines Alters erkennen die Experten keine Einschränkung in der Schuldfähigkeit. Unter der U-Haft habe der Mann sehr gelitten. Seit der Tat leide er an depressiven Neigungen. Das Risiko, dass der Mann zum Wiederholungstäter wird, hält der Gutachter für 'sehr gering'. 'Die soziale Kontrolle, eingebettet in der Großfamilie, funktioniere. Die Ehefrau und eine Tochter verfolgen den Prozess gespannt aus dem Zuschauerraum.

Erinnerung an das Opfer

Ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe verhängt der Vorsitzende schließlich und liegt damit etwa zwischen den Anträgen von Anklage und Verteidigung. 'Bewährung war nur möglich, weil Sie von Beginn an geständig waren', betont Strafrichter André Pfattischer. 1000 Euro soll der nahezu mittellose Altbauer in zwanzig Raten zusammenkratzen. Auch, damit er noch eine Weile erinnert werde, wer in dem Fall das Opfer war. Der Übergriff, den sich der Mann geleistet hatte, sei nicht mehr am unteren Rand dessen gewesen, wo sexueller Missbrauch anfängt. Und das Mädchen leidet bis heute unter dem Erlebten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Erst will die Anwältin ihrem zittrigen Mandanten die Sache noch einmal auseinandersetzen. Als alle auseinander gehen, hilft der Bauer seiner Beraterin behutsam in den Mantel. Mit Frau und Tochter verlässt er schweigend das Gericht.

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