• 9. Januar 2008, 00:00 Uhr
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60 Rollstühle müssen mit auf die Rallye

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(Foto: gÜnter jansen ‹gjansen@onlin)

von Etienne le Maire | Oberstaufen/Amman Rallye-Fans aus der Region bleibt nach der Absage der großen 'Paris-Dakar' wenigstens die Allgäuer Altauto-Antwort auf die Rennen der Reichen: Am 2. Mai startet die dritte Rallye Allgäu-Orient von Oberstaufen nach Amman - diesmal mit 60 Rollstühlen im Gepäck.

Die Beduinen haben ihre Wüsten-Käserei nach Allgäuer Vorbild - das Projekt ist mit dem Ertrag der zweiten Rallye Allgäu-Orient 2007 ausfinanziert, sagt Organisations-Chef Wilfried Gehr. So rollt die verrückte Rallye heuer mit einem neuem gutem Zweck ins Morgenland. Diesmal soll in Jordanien eine Hilfsorganisation für Körperbehinderte unterstützt werden. Diesem hehren Ziel dient nicht nur das Geld aus dem Verkauf der Altautos. Auch 60 Rollstühle, die ein ehemaliger Rallye-Teilnehmer für das von den Vereinten Nationen unterstützte Spektakel organisiert hat, müssen mit. So ist die erste Sonderaufgabe für jedes Team, einen Rollstuhl in einem Auto unterzubringen und heil ans Ziel zu bringen.

Mehr als 150 alte Autos düsen ab 2. Mai wieder in 10 Tagen über Istanbul und Damaskus in die jordanische Hauptstadt Amman - oder bleiben auf dem Weg liegen. Noch nie war eine Teilnahme an der alternativen Altauto-Rallye so begehrt wie heuer. Gehr musste bei 55 Teams Schluss machen - 'mit mehr kriegen wir die Tour organisatorisch nicht in den Griff.' So liegen aber auch für 2009 schon zehn feste Anmeldungen vor - Teams, die heuer nicht zum Zug kamen. Eigentlich sollten es eh nur 44 sein, aber der Vorjahressieger meldete sich später an, ein reines Frauenteam will mit, und eine Gruppe wagt sich gar mit einem Stadtbus auf die über 5000 Kilometer lange Strecke. 'Verrückt - da kann man doch nicht nein sagen', erklärt Gehr, der die Rallye vor zwei Jahren aus einer Schnapsidee heraus realisiert hatte.

Dass die große Dakar-Rallye wegen Unruhen in einzelnen Gebieten abgesagt wurde, sei akzeptabel, meint Gehr. Aber auch die kommerzialisierung mache diese berühmte Rallye kaputt: 'Sponsoren und Fernsehsender fordern drehbuchartige Strecken und Szenen', kritisiert Gehr. 'Aus diesem Grund haben wir für unsere Rallye ein verlockendes Fernsehangebot abgelehnt', sagt der OK-Chef weiter: 'Dafür hätten gefährliche Szenen vor der Kamera initiiert werden sollen.' Die Rallye soll aber echt bleiben.

Team aus Ofterschwang und Oberstdorf dabei

Auch heuer wird ein Team aus dem Oberallgäu dabei sein: Unter dem Kampfnamen 'Desierto I' fahren Hans-Georg und Désirée Haberstock aus Ofterschwang, Andreas Reich aus Oberstdorf und weitere Mitglieder aus Darmstadt mit. Kapitän Haberstock hat Erfahrung aus Wüstenrallyes mit Geländewagen - erstmals hat er 1990 bei der 'Transtunesia' Staub geschluckt und ist 'seither mit dem Wüstenvirus infiziert.' Derzeit gilt es, für das Team die Fahrzeuge zu organisieren, sie technisch herzurichten und Sponsoren zu finden. Wo man im Ortsteil Hüttenberg ein Kamel unterbringen kann, wäre dann auch noch zu klären, spaßt Haberstock siegessicher. Dabei komme es aber nicht aufs Rasen und Gewinnen an: 'Das Ganze soll einfach Spaß machen.'

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