Oberallgäu
50-Jähriger missbraucht zwölf Jahre altes Mädchen

«Es war ein einmaliger, dummer Ausrutscher und ich bedauere die Sache», sagte der Mann mit dunklem Pullover und silberner Brille auf der Anklagebank im Sonthofer Amtsgericht zum Schluss. Aufgrund dieser Einsicht, weil er zuvor noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, weil das heute 13-jährige Opfer bisher keine negativen Folgen davon getragen habe und weil auf seinem privaten Computer kein pornografisches Material gefunden worden sei, ließ die Richterin mildernde Umstände walten.

Der dreifache Vater wurde zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung (ausgesetzt auf drei Jahre) sowie 6000 Euro Geldbuße verurteilt. Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung und 4000 Euro Geldbuße gefordert.

Mutter im Internet kennengelernt

Die «Sache», die der 50-jährige Angestellte aus Stuttgart - auch im Gerichtssaal gegenüber der Mutter des Opfers - bedauert, geschah Anfang November 2008 in der Wohnung des Opfers in Immenstadt. Wie der Angeklagte zugab, hatte er sich an zwei Abenden zu der damals zwölfjährigen Tochter seiner Bekannten ins Bett gelegt und sie über ihrem Schlafanzug unsittlich berührt.

Einige Wochen zuvor hatte der Mann die Mutter des Mädchens über das Internet kennengelernt. Nach einem ersten Treffen in Immenstadt kam der Angeklagte mehrmals am Wochenende zu Besuch und blieb auch über Nacht. Die Tat ereignete sich in den Herbstferien, während die Mutter des Kindes ihrer Arbeit als Putzfrau nachging.

«Obwohl er eine ganze Woche bleiben wollte, teilte er plötzlich mit, dass er abreist», erinnerte sich die Mutter vor Gericht. Außerdem habe er erklärt, dass er über die Beziehung zu ihr nochmal nachdenken müsse. «Und er hat gesagt, dass er sich in meine Tochter verliebt hat.» Das habe sie sehr erstaunt; doch sie habe geglaubt, er liebe die Zwölfjährige wie eine Tochter.

Nach Abreise des 50-Jährigen habe das Mädchen dann nicht nur von der Tat sondern auch von einer Handy-Kurzmitteilung des Mannes berichtet - mit dem Text «Ich liebe dich». Auch das bestätigte der Angeklagte. «Sehr ungewöhnlich» nannte Richterin Gramatte-Dresse das und auch, dass der Angeklagte seinen «Faible» für das Mädchen offen zugegeben habe. Schließlich habe er glaubhaft versichert, dass er derzeit und auch in der Vergangenheit nur mit Gleichaltrigen liiert gewesen sei.

Dem geschiedenen Ehemann hielt die Richterin zwar vor, dass er die Beziehung zur Mutter ausnutzte, um sich dem Mädchen zu nähern. Allerdings habe er nach seiner Abreise nie mehr versucht, Kontakt zu dem Kind aufzunehmen.

Die hohe Geldstrafe soll laut Gramatte-Dresse vor weiteren Straftaten warnen: Die Geldbuße in Form von monatlichen 200-Euro-Raten konfrontiere ihn wiederholt mit seiner Tat. Das Geld kommt dem Kinderschutzbund Sonthofen zu Gute.

Ihre leicht geistig behinderte Tochter, sagte die Mutter im Gericht abschließend, habe die Tat «so weit ganz gut verkraftet».

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