Burgberg
450 geballte Ehejahre an einem Tisch

An der langen Tafel im Gasthof «Löwen» sind 450 geballte Ehejahre versammelt. Selbst wenn da Mann und Frau ein biblisches Alter erreicht hätten, zu zweit ist das bei einer durchaus begrenzten menschlichen Lebenszeit nie zu schaffen. Es sind stattdessen neun Goldhochzeitspaare, die sich an der Tischreihe niedergelassen haben. Alle haben sie sich 1959 das Ja-Wort gegeben und es 50 Jahre bis zum heutigen Tag gehalten. Allesamt stammen sie aus Burgberg oder leben seit Jahren unterm Grünten. Rüstig sind sie geblieben. Aufgekratzt wirken die einen bei dieser ungewöhnlichen Feier, versonnen und in sich gekehrt die anderen. Nur schade, dass ein zehntes Paar kurzfristig wegen Krankheit absagen musste. Lina und Gustl Füß haben echt was versäumt.

Eugen Weiß und seine Elfriede hatten die Sache eingefädelt. «Das ist ja so schön», strahlt der Hochzeitslader übers ganze Gesicht und findet breite Zustimmung in der Runde. «Wir sind ja alle so glücklich miteinander», lacht Eugen Weiß und spricht gleich für die anderen mit. Natürlich da und dort ein kleiner Streit kommt auch mal vor, selbst in den besten Familien. Was aber zählt, ist der Zusammenhalt. Dann werden sogar Schicksalsschläge verdaut.

Niemand bleibt ausgeschlossen

Der Zusammenhalt scheint in Burgberg nicht nur innerhalb von Braut und Bräutigam zu bestehen, sondern auch von Hochzeitspaar zu Hochzeitspaar.

Da bleibt niemand ausgeschlossen, auch wenn er, wie Hans Moosbauer als «niederbayerischer Gastarbeiter», vor einem halben Jahrhundert zu seiner Rosina ins Allgäu eingewandert ist oder erst vor wenigen Jahren in die ehemalige Bergbau-Gemeinde zugezogen ist, wie Barbara und Heinz Schmid.

Die seit 50 Jahren verheirateten Eheleute Weiß sind von Haus zu Haus in Burgberg gezogen und haben die Ladung zu diesem ungewöhnlichen Treffen höchstselbst überbracht, damit ihnen ja niemand auskommt. Bauer und Schlosser waren die Männer von Beruf gewesen, Werkzeugmacher und Kraftfahrer; die Frauen kümmerten sich nicht nur ums traute Heim, mal führen sie ein Gästeheim oder waren im Berufsleben bei der Sparkasse.

Rückblick auf frühere Zeiten

Zwischen April und November 1959 hatte der damalige Burgberger Pfarrer ganz schön was zu tun gehabt, um die jungen Leute mit dem Segen Gottes unter die Haube zu bringen. «Die Zeiten waren damals nicht rosig. Unsere Männer haben doch gar nicht viel verdient», erzählt Marianne Ostermeier. Dafür baumelt den Herren der Schöpfung an diesem Abend eine Goldmedaille um den Hals, als Glücksstern gewissermaßen.

Den Damen wurde ein Kerzenuntersetzer, ebenfalls in Sternform verehrt. Ludwig Seltmann ist mit 83 der Senior unter den Brautleuten. Jung gefreit wurde hingegen Hildegard Sprinkart. Sie traute sich bereits mit 20 was. Eine fidele Gesellschaft frei nach dem Motto «So jung kommen wir nicht mehr zusammen» prostet sich gegenseitig zu. Munter unterhält sich die Tischgesellschaft über die Zeiten früher und die Zeiten heute.

Bereits Pläne für nächstes Treffen

Hochzeitslader Weiß schmiedet bereits Pläne für die nächsten Treffen. Vielleicht in einem Jahr, auf alle Fälle aber nach der Diamantenen Hochzeit. Samt dem zehnten Paar waren dann aber 600 Ehejahre an der langen Tafel im «Löwen» versammelt.

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