Hegge
3500 Arbeitsstunden für den «Schweizer Jungmann»

Einmal im Jahr lebt Klaus Dieter Fischer seinen Traum. Mit einem befreundeten Piloten schwingt er sich in die Lüfte. Am Himmel drehen die Spezln wilde Loopings, Rollen und Turns. «Das ist für mich der Adrenalinstoß pur», schwärmt der Heggener von dem Abenteuer im Bücker-Sportflugzeug. In der Zwischenzeit frönt der 66-Jährige seiner Leidenschaft aber auch auf andere Art: Er baut die Flieger der früheren deutschen Flugzeugbaufirma Bücker als flugtaugliche Modelle nach.

Da ist zum Beispiel Fischers Meisterstück: eine «Schweizer Jungmann» mit einer Spannweite von 2,46 Metern, Drei-Zylinder-Reihenmotor und 90 Kubikmetern Hubraum. «Die Herausforderung war, es weitgehendst dem Original nachzubilden», sagt der Tüftler.

3500 Arbeitsstunden hat er für den Doppeldecker aufgewendet - und sich zwischendurch schon mal das Missfallen von Ehefrau Albertine eingehandelt, wie der Mächler schmunzelnd gesteht. Im Vorfeld des Projekts schoss der Modellbauer im Technischen Museum in Berlin Dutzende Fotos vom Original aus dem Jahr 1937. Fein säuberlich zerlegt, überwintert Fischers ganzer Stolz derzeit im Keller seines Hauses. Mit der ferngesteuerten «Jungmann» hat er bereits an internationalen Flugwettbewerben teilgenommen, zuletzt in der Schweiz.

«Bücker-Flugzeuge mit ihren nur 7,5 Metern Spannweite waren klein, wendig, nicht stark motorisiert und günstig im Unterhalt - im Zweiten Weltkrieg die idealen Schulflugzeuge für die Luftwaffe», weiß Fischer, der sich der Modellsportgruppe Oberallgäu angeschlossen hat. Seine selbstgebauten Flieger schickt der gelernte Maschinenschlosser und spätere Berufssoldat gerne etwa auf dem Untermaiselsteiner Modellflugplatz in die Lüfte.

Teile landen im Ofen

Dass es bei den Flügen schon mal zum Absturz kommen kann, muss er einkalkulieren. Wie vergangenen Sommer auf dem Duracher Flugplatz. Durch ein technisches Versagen verlor der Hobby-Konstrukteur seinen «Student»-Tiefdecker. Das tat weh. «Die Einzelteile landeten als Anzündholz im Ofen», bedauert der Heggener. Einzig den Motor habe er noch retten können.

Fischers Leidenschaft für Flugzeuge entflammte in den 80er Jahren - mit einem Modellbausatz, den sein Sohn entnervt in die Ecke legte. «Ich bastelte den Flieger zu Ende und fand Spaß am Modellbau», erinnert sich der 66-Jährige.

Dann entdeckte er auf einer Messe ein Bücker-Modellflugzeug. «Ich war fasziniert und habe es gekauft.» Doch die Begeisterung wich bald der Ernüchterung. An dem Stück war vieles nicht original. Für den Mächler Anlass, die Maschine in den Urzustand zurück zu versetzen. Heute ziert die «Schweizer Jungmann» das Duracher Flughafen-Restaurant.

Derweil bastelt Klaus Dieter Fischer schon wieder an einer Rarität: In seiner Hobby-Werkstatt entsteht eine «Bücker-133A» mit Sechs-Zylinder-Motor. «Davon», sagt der Hobby-Konstrukteur stolz, «gab es nur ein einziges Exemplar.»

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