Ostallgäu / Obergünzburg
20 Minuten unter dem Eis

Ein etwa 1,50 Meter großes Dreieck ist aus der Eisfläche des Elbsees herausgesägt und gibt den Blick frei auf das kalte, moorschwarze Wasser darunter. Rettungstaucher Uli Bauer von der Wasserwacht Kaufbeuren überprüft ein letztes Mal seine Tauchausrüstung, gleitet zügig hinein ins kalte Nass und ist, kaum dass er untergetaucht ist, schon nicht mehr zu sehen in der trüben Brühe. Ein 40 Meter langes Seil, das von Leinenführer Karl Ziegler (ebenfalls Wasserwacht Kaufbeuren) gehalten wird, ist für 20 Minuten seine einzige Verbindung zur Außenwelt.

Bauers Tauchgang war Teil einer großen Eisrettungsübung der Wasserwacht Ostallgäu am Elbsee, an der alle fünf Schnelleinsatzgruppen (SEG Buchloe, Kaufbeuren, Marktoberdorf, Obergünzburg und Füssen) sowie zwei Jugendgruppen (aus Seeg und Marktoberdorf) teilnahmen. Je fünf Rettungstaucher absolvierten an zwei Tauchlöchern jeweils 20-minütige Tauchgänge, gesichert an einem fixierten Seil, das von einem Leinenführer gehalten wurde.

Gerade einmal 40 Zentimeter Sicht unter Wasser

Die Sicht unter Wasser betrug gerade einmal 40 Zentimeter, dann waren die Taucher orientierungslos.

Umso wichtiger, dass die Kommunikation an der Rettungsleine funktionierte: «Fünfmal ziehen heißt ,alles in Ordnung, viermal ziehen heißt ,ich möchte jetzt zurück und einmal ziehen heißt ,Alarm, ich muss sofort zurück», erklärte Ziegler.

An einem weiteren, größeren Eisloch übte die Wasserwachtjugend, wie eine im Wasser treibende Person (in der Übung eine etwa 60 Kilogramm schwere Puppe) mittels eines sogenannten Eisrettungsschlittens geborgen werden kann: Selbst die erst zehnjährige Jessica Reichard von der Jugendgruppe Seeg schaffte es mit Unterstützung eines Erwachsenen, den «Verunglückten» aus dem Wasser zu hieven und mit Hilfe eines Gurtsystems auf den Schlitten zu ziehen. Dieser wurde dann wiederum von weiteren Rettern mit Seilen aufs sichere Eis zurückgeschleppt.

Die Spontanrettung einer sich an der Eiskante festklammernden Person demonstrierte René Haust von der Wasserwacht Roßhaupten: Geschützt von einem Neoprenanzug und gesichert an einem Seil robbte er bäuchlings bis an die Einbruchstelle und packte den Verunglückten an den Handgelenken. Beide zusammen wurden dann am Seil aus der Gefahrenzone gezogen.

Im Ernstfall muss alles sehr schnell gehen

Auch Uli Bauer tauchte nach 20 Minuten wie alle anderen Rettungstaucher wohlbehalten wieder aus dem Eisloch auf. Er habe keine Angst unter dem Eis, bekannte er lachend, im Taucheranzug sei es warm.

«Im Ernstfall muss eine eingebrochene Person möglichst schnell aus dem kalten Wasser gezogen werden, da sie bereits nach wenigen Minuten stark auskühlt», erklärte der Vorsitzende der Wasserwacht, Gary Kögel. «Im Wasser kann sie sich dann immer schlechter bewegen und nicht mehr selbst retten. Schließlich verliert sie das Bewusstsein, sinkt unter Wasser und treibt unter die Eisfläche.

Sowohl Kögel als auch Einsatzleiter Edgar Gailhofer zogen am Ende der Übung eine positive Bilanz und waren sehr zufrieden mit dem Können der Ostallgäuer Schnelleinsatzgruppen.

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