1500 Schriftzeichen, dann kann man Zeitung lesen

Memmingen (syr). - Yuyin Lu zeichnet ein Rechteck, das sie mit einem Strich in zwei Quadrate teilt. 'Das heißt Sonne', erklärt die Chinesin. Dann malt Lu einen Kreis mit einem Punkt in der Mitte. 'Das ist das ursprüngliche Zeichen dafür. Alle Schriftzeichen haben sich aus Bildern entwickelt,' sagt sie und fügt hinzu: 'Insgesamt gibt es 5000, aber mit 1000 bis 1500 Schriftzeichen kann man Zeitung lesen.' Die Zuhörer stöhnen etwas und lachen gleichzeitig. Dass es nicht leicht werden wird, haben die Teilnehmer des Chinesisch-Kurses der Volkshochschule von vornherein gewusst. Awid Rupp faszinieren chinesische Zeichen schon seit er denken kann. Außerdem interessiert sich der 15-jährige Hauptschüler für asiatischen Schwertkampf. 'Mein Vater hat zwar gesagt, ich soll lieber Englisch, also was fürs Leben lernen, aber das tue ich in der Schule genug', ist er überzeugt. Michael Trieb, der Programmbereichsleiter Sprache und Kultur der Volkshochschule, weiß, dass exotische Sprachen gefragt sind. 18 Anmeldungen für den Chinesisch-Kurs habe er allerdings trotzdem nicht erwartet. Ursprünglich sei man nämlich nur von sechs bis neun Personen ausgegangen. 'Doch so mussten wir einen zweiten Kurs anbieten. Eine schwierige Sprache lernt man in Kleingruppen einfach effektiver.' Yuyin Lu, die Kursleiterin, kommt extra von Günzburg nach Memmingen. In China hat sie Sinologie studiert, in Deutschland schließt sie bald ihr Betriebswirtschaftsstudium ab. Klar und deutlich spricht sie die fremden Laute vor. Einer nach dem anderen soll ihr nachsprechen. Etwas schüchtern spitzt eine Frau ihre Lippen, aber der ungewohnte Ton will ihr erst nach mehrern Anläufen gelingen. Sie möchte die Sprache lernen, damit sie im Urlaub 'nicht ganz blank dasteht'. Andreas Heinzmann hat schon ein paar Grundkenntnisse. Fünf Monate hat der heute 30-Jährige als Student in China verbracht. 'Ich habe mich bisher aber nur mündlich verständigt, geschrieben habe ich nie etwas', sagt er. Er ist so angetan von 'diesem fleißigen und zielstrebigen Volk', dass er eventuell nach China auswandern möchte. Der Kurs soll eine Vorbereitung darauf sein.

'Sehr verwirrend' Bereits dreieinhalb Jahre in Taiwan gelebt hat Günter Borscheid. 'Und erst jetzt habe ich Zeit, die Sprache zu lernen', grinst er. 'Ich war dort Pilot und immer nur kurze Zeit am selben Ort, deswegen kann ich nur ein paar Brocken. ,Guten Tag' zum Beispiel. Heute wohnt der 57-Jährige wieder im Unterallgäu, lernt japanisch und jetzt auch noch chinesisch. Die erste von zwölf Doppelstunden erinnert Borscheid an Land und Leute, die er sehr vermisse. Aber auch für ihn ist alles 'sehr verwirrend und schwer auszusprechen'.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018