108 Millionen Kilometer vor der Sonne

Von Brigitte Unglert-Meyer, Ottobeuren - Bei strahlend blauem wolkenlosen Himmel kamen gestern bis Mittag insgesamt fast 200 Interessierte auf den Konohof, um einen Blick auf den Venustransit zu werfen. Sie wurden damit Zeuge eines seltenen Himmelsereignisses, als der Planet Venus als gut sichtbarer Punkt innerhalb von sechs Stunden ab 7.20 Uhr über die Sonne hinweg zog. Deshalb herrschte auch schon frühmorgens großer Betrieb bei der Allgäuer Volkssternwarte. Kurz vor acht waren es bereits 50 Schaulustige. Früh aufstehen hieß es denn auch für die Mitarbeiter der Sternwarte und die Nachwuchs-Astronomen. Für Tanja, Monika und Daniel von der neu gegründeten Jugendgruppe war es das erste große Himmelsereignis. Die Schüler sind kurz nach sechs Uhr den Konohof hinauf geradelt, um von Anfang an mit dabei zu sein. Acht Fernrohre waren vor der Sternwarte auf die Sonne gerichtet und ermöglichten durch Filter geschützt den Blick in die Sonne und auf den Planeten Venus.

Über das große 60-cm-Teleskop wurde das Himmels-Schauspiel fotografisch festgehalten. Ein 15-cm-Refraktor übermittelte Videoaufnahmen in den Vortragsraum. Dreimal erzählte der Vorsitzende der Sternwarte, Harald Steinmüller, im voll besetzten Vortragsraum von der Geschichte der Venus-Durchgänge. Dem Zuhörer wurde dabei erst bewusst, dass er tatsächlich etwas Besonderes miterleben durfte: Der letzte Venustransit ereignete sich am 6. Dezember 1882. Der nächste steht zwar in acht Jahren bevor, ist aber von Europa aus ebensowenig zu beobachten wie jener im Jahr 2117. Erst 2125 bietet sich die nächste Chance zur Beobachtung von Europa aus. Ob sich der vierjährige Elias später noch daran erinnern wird, dass er am 8. Juni 2004 dabei war? Er hat die Venus durch die Spezialschutzbrille mit freiem Auge vor der Sonnenscheibe als Punkt gesehen, obwohl sie nur mit einem Tausendstel die Sonnenscheibe bedeckte und sich in 108 Millionen Kilometer Entfernung vor der Sonne vorbei bewegte. Es wurde etwas von der Faszination früherer Astronomie spürbar. Johannes Kepler hat erstmals bereits für 1639 diese Konstellation vorausgesagt, konnte aber durch einen Fehler in seiner Berechnung das Schauspiel selber nicht beobachten.

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