Wangen
1000 Aromen aus jeder einzelnen Bohne kitzeln

In der Luft liegt der Geruch frisch gerösteten Kaffees. Am Boden stapeln sich Säcke mit Bohnen aus Nicaragua, Mexiko, Kenia, Brasilien. Im kleinen Wangener Ortsteil Schuppenberg hat sich Manfred Jehle zusammen mit einem Partner einen Traum erfüllt: «Kaffee made im Allgäu». Acht Tonnen röstet er hier in seinem eigenen Betrieb, hochwertigen und damit auch magenschonenden Kaffee.

Manfred Jehle nennt sich selber eine «alte Kaffeetante». Von seinem ersten selbstverdienten Geld hat er eine Espressomaschine gekauft. Die Leidenschaft Kaffee hat ihn nicht mehr los gelassen. Vor zwei Jahren hat der Wangener sie zum Beruf gemacht. Zusammen mit einem Freund hat er 2007 die Rösterei in Schuppenberg eingerichtet. Seitdem weht Kaffeeduft durch den umgebauten Hof.

Den Rohkaffee bezieht Jehle aus Hamburg. Die Speicherstadt ist Europas größter Umschlagplatz dafür. Die Bohnen, die Jehle einkauft, sind fair gehandelt. Für den Wangener ein Stück Entwicklungshilfe. Denn Kaffee wächst rund um den Globus am und in der Nähe des Äquators, also überwiegend in Ländern der Dritten Welt.

Geduld und Sorgfalt ist gefragt, um aus dem ungenießbaren Rohkaffee eine Spezialität zu machen. 800 bis 1000 Aromen gilt es aus den Bohnen zu kitzeln. Zeit und niedrige Temperaturen machen eine gute Röstung aus. Gut 15 Kilogramm Rohkaffee verarbeitet Jehle in einem Arbeitsgang. Bei 100 Grad beginnt er den Röstvorgang, bei 220 platzt die Bohne und verliert ihre äußere Haut, bei rund 230 Grad ist die Bohne fertig.

Rund eine halbe Stunde Zeit nimmt sich Jehle dafür, kontrolliert immer wieder ob die Bohnen den gewünschten Röstgrad haben. «Du musst den optimalen Punkt erwischen», sagt er. Ist es soweit, lässt Jehle die Bohnen aus der rotierenden Trommel. Anschließend werden sie schonend an der Luft getrocknet.

Kein Vergleich mit der Vorgehensweise großer Röster: Die «verheizen» die Bohnen erst 90 Sekunden lang bei 400 bis 600 Grad und kühlen sie anschließend mit Wasser.

Qualität der Bohnen und der Aufwand, den eine traditionell arbeitende Rösterei betreibt, schlagen sich im Preis nieder. Hochwertiger Kaffee kann nicht billig sein. Bei der Jehle &Compagnie KG kostet ein Kilo zwischen 14,50 und 17,90 Euro. Allein die Kaffeesteuer - eine deutsche Besonderheit - schlägt freilich schon mit 2,19 Euro je Kilo zu Buche, die Mehrwertsteuer noch nicht mitgerechnet.

Rund acht Tonnen Kaffee haben Jehle und sein Partner heuer gefertigt. Verkauft wird er sortenrein oder als Espressomischung. Je nach Anteil an Robusta und Arabica-Bohnen variiert ihr Geschmack. Wer sich von der Qualität überzeugen will, kann das direkt vor Ort. Dreimal die Woche ist der Verkauf in der Rösterei geöffnet. Gäste sind willkommen. «Uns geht es darum, über Kaffee zu informieren», sagt Manfred Jehle. Mindestens einmal die Woche kommen Gruppen in den Betrieb, schauen ihm bei der Arbeit über die Schulter und verkosten anschließend seinen Kaffee.

Schließlich sollen noch möglichst viele von der Leidenschaft Kaffee befallen werden.

Informationen im Internet unter

www.jehlekaffee.de

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