Der König stirbt wieder - aber anders - Musical «Ludwig 2»

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Die riesenhaften, schaurigen Skelette haben ausgetanzt: Das Toten-Ballett, das im Füssener Musical «Ludwig2 - Der Mythos lebt» das Grauen des Krieges symbolisierte, kommt im neuen Musical «Ludwig 2 - Der König kommt zurück» in der Big Box in Kempten nicht zum Einsatz. «Das war ein bisschen jahrmarktmäßig, wie Hollywood», beurteilt Autor Rolf Rettberg heute die Szene, die vielen Musical-Besuchern im Festspielhaus Füssen in den Jahren 2005 bis 2007 unter die Haut ging.

<< Ein Soldat soll stattdessen vom Krieg erzählen. Das kann genauso beeindruckend sein >>, sagt Rettberg. Der Autor hat eine Neufassung des Füssener << Ludwig2 >>-Musicals geschrieben. Und die wird vom 5. Juli bis 28. August 46 Mal in Kempten aufgeführt. << Es wird einen neuen Schluss geben, das Ende wird wirklich anders sein >>, kündigt der Autor bei einem Gespräch in Kempten an. Mehr wolle er nicht verraten, aber die neue Fassung werde besser, ist er sich sicher.

<< Ich habe das Stück radikal umgearbeitet. >> 60 bis 70 Prozent der Geschichte um den bayerischen Märchenkönig habe er neu geschrieben. Rettberg: << Jetzt gibt es eine Fassung, wie ich sie wollte. >> Damals, 2004, sei das gesamte Team unter großem Zeitdruck gestanden. Dies habe dazu geführt, dass man vieles auf die Schnelle nicht habe realisieren können, so Rettberg.

Vor etwa fünf Wochen hat er das neue Ludwig 2-Buch fertiggestellt. Auf einige Figuren habe er verzichtet, andere seien neu hinzugekommen. Der Arzt des Königs, Bernhard von Gudden, sei im Vergleich zur Füssener Fassung << etwas weniger negativ gezeichnet >>. Und auch Ludwigs Gegenspieler Johann Freiherr von Lutz - laut Rettberg << die einzige Person, die nicht aus egoistischen Gründen handelt, sondern nur an Bayern denkt >> - erhalte mehr Wertschätzung. << Vielleicht hatte Ludwig ja auch objektiv Unrecht >>, gibt Rettberg zu bedenken.

Während der Text also runderneuert wurde, erwartet die Musical-Besucher die bereits aus Füssen bekannte Musik von Konstantin Wecker, Christopher Franke und Nic Raine. << Vielleicht gibt es ein neues Stück, einen Ohrwurm, der in Füssen im Gespräch war, aber nicht mehr berücksichtigt wurde >>, erzählt Produzent Gerd Fischer.

Ab 16. Mai beginnen die Gesangsproben für die 35 Mitglieder des Ensembles. Kostüme und Requisiten werden laut Fischer in Saarbrücken gefertigt und große Teile der Bühnendekoration in den Werkstätten des Theaters Trier hergestellt. Das hat einen guten Grund. Denn Ludwig 2-Regisseur ist der dortige Intendant Gerhard Weber. Und der freut sich schon auf das Arbeiten im Allgäu.

<< Es ist ein hochaktueller, absolut spannender Stoff >>, sagt der 60-Jährige im Telefongespräch mit unserer Zeitung. Das sehe man auch daran, dass derzeit die Münchner Kammerspiele das Leben des Märchenkönigs als Theaterstück zeigen. Eventuell werde das Ludwig 2-Musical in << ein, zwei Jahren >> auch in Trier aufgeführt, verrät er. Ihm gefalle vor allem das << Anachronistische des Stoffes, das gegen die Zeit laufen, dieses Weltfremde >>.

Weber: << Damit identifizieren wir Künstler uns ja auch. >> Gerade die pazifistischen Ambitionen des Königs, der sich nicht in die Kriege mit hineinziehen lassen wollte, fasziniere ihn als sozial-politisch interessierten Regisseur besonders.

Mit Komponist Konstantin Wecker und Autor Rolf Rettberg hatte Weber bereits im Rahmen des << Hundertwasser >>-Musicals zusammengearbeitet (Uraufführung 2004 in Uelzen). << Wir sind ein eingespieltes Team >>, sagt er. Und wie sieht der Theatermann, der das Ludwig2-Musical 2005 im Füssener Festspielhaus gesehen hat, die Kemptener Big Box als Musical-Ort? Weber: << Die Big Box ist ein sehr interessanter Spielraum - und eine Herausforderung. >>

Rolf Rettberg

Gerhard Weber

Janet Marie Chvatal und Marc Gremm standen schon in Füssen als Elisabeth und Ludwig II. auf der Bühne. Beim Presseball unserer Zeitung präsentierten sie im Februar in der Big Box Allgäu Ausschnitte aus dem neuen Ludwig 2-Musical (Bild). Sie teilen sich die Hauptrollen mit Michaela Kovarikova und Matthias Stockinger. Fotos: Ernst/Lienert/Theater Trier

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