Klang und Raum
Zur Eröffnung von «Klang und Raum» in Irsee: Freud und Leid auf Schloss Versailles

Eine interessante Mischung aus nobler Kammermusik vom Hofe Ludwigs XIV. und recht unappetitlichen Details aus dem Leben des «Sonnenkönigs» gab es zum Auftakt des Klassikfestivals «Klang und Raum» im Kloster Irsee bei Kaufbeuren. Unter dem Titel «Der König stinkt» gewährten das Ensemble «Neo-Barock» und der Sprecher und Autor Hans Conrad Zander intime Einblicke in das musikalische und medizinische Wirken im Schloss Versailles.

Den Auftakt machte das Sextett mit einer Hommage von Jean-Féry Rebel (1666 bis 1747) an Ludwigs geliebten, früh verstorbenen Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully. Trotz des sehr noblen, feudalen Charakters sämtlicher Sätze und deren strenger formaler Gestaltung gelang es vor allem Maren Ries und Volker Möller an den Violinen mit beherzten, exakten Einsätzen, Leben in das Stück zu bringen.

Auch die weiteren Ensemblemitglieder - Irmelin Heiseke an der Viola da Gamba, Ariane Spiegel am Cello, Fritz Siebert am Cembalo und vor allem Sarah Möller an der Traversflöte - schafften es, mit feinen Phrasierungen die an motivischer Vielfalt doch eher armen Barock-Stücke überaus ansprechend zu gestalten.

Musikhistorisch wie interpretatorisch hochinteressant war die vorgetragene Mixtur aus Sonate und Suite von François Couperin (1668 bis 1733). Hier verbanden sich französische und italienische Einflüsse noch eher gleichberechtigt. Mit Michel Correttes (1709 bis 1795) << Concerto comique No. 25 >> hatte sich das Italienische in der französischen Hofmusik durchgesetzt und vor allem Ries an der Violine und Möller an der Flöte konnten virtuos brillieren, anstatt sich in Formalismen zügeln zu müssen.

Zwischen den Stücken - und beim << Concerto à 4 parties >> von Michel Blavet (1700 bis 1768) irrtümlich sogar zwischen den Sätzen - berichtete der Schweizer Zander so lakonisch wie drastisch über die Gesundheitsfürsorge am französischen Hof. Mit haarsträubenden Diagnosen und Therapien wurde Ludwig XIV.

von seinen Leibärzten gequält. Und der marode Verdauungstrakt seiner Majestät habe seine Anwesenheit wohl nicht immer zu einem Vergnügen gemacht - auch bei den höfischen Kammerkonzerten, aus denen die vorgetragenen Stücke stammten.

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