Sagen
Wie das Osterzeller Buchmännle einst den Leuten im Sachsenrieder Forst Angst einjagte

Dem Denklinger Ortschronisten Paul Jörg ist in dem Buch 'Allgäuer Sagen' von Hermann Endrös und Alfred Weitnauer ein interessantes Thema aufgefallen. So hat sich zwischen dem Fuchstal und dem angrenzenden Ostallgäu alten Erzählungen zufolge allerlei Mysteriöses zugetragen.

"Bei der Recherche ist mir auch wieder eingefallen, wie man früher Graberde holte im nahen Sachsenrieder Forst - und dabei immer hoffte, nicht dem Osterzeller Buchmännle zu begegnen", berichtet Jörg schmunzelnd.

Die Dienhausener hatten früher das Köhlerrecht im Sachsenrieder Forst. Die Stätten der Brandrückstände, erkennbar an der schwarzen Erdverfärbung, zeugen heute noch von diesem ehemaligen Gewerbe.

Vor Allerheiligen wurden früher von den Einheimischen aus den umliegenden Ortschaften diese Verbrennungsrückstände, die als begehrte schwarze Graberde für die Gräber Verwendung fanden, geholt. Dabei schaute man, vor Einbruch der Dämmerung wieder nach Hause zu kommen, um nicht dem Buchmännle zu begegnen.

Zwergenhafte Gestalten

In der Osterzeller Gegend geisterte früher nämlich das Buchmännle im Forst umher, das zur Kategorie der 'wilden Männle' im Allgäuer Land zählte. Diese Gesellen waren zwergenhafte Gestalten, deren Körper ein zotteliges Haarkleid bedeckte und deren Gesichter ein langer Schnauz- und Kinnbart zierte.

Sie waren eher drollig und possierlich und gar nicht furchterregend. Sie stammten wahrscheinlich aus der Heidenzeit, weil sie nämlich das Kreuz gefürchtet haben. Um Wegkreuze, Kirchen und Kapellen haben sie stets einen großen Bogen gemacht.

Sie waren aber gute Geister, die manchmal ein Holzwägelchen die steile Steige hinaufschieben halfen oder Holzarbeitern bei ihrer schweren und gefährlichen Arbeit irgendwie beistanden. Auch zu Spiel und Tanz waren sie leicht zu haben. Oft jauchzten und jodelten sie und wirbelten vor lauter Lust durch die Luft.

Das Buchmännle führte stets einen Hammer oder ein Holzbeil mit sich. Man habe es oft bei Nacht im Wald herumlaufen sehen, besonders zu heiligen Zeiten wie an Ostern, Pfingsten, Weihnachten und an Allerheiligen. Obwohl es niemandem etwas zuleide tat, wurde es doch arg gefürchtet und viele mieden an solchen Tagen den Wald überhaupt.

Da sich in diesen Waldungen auch das 'Kellerweible' herumtrieb, so meinten einige, dieses sei vielleicht die Geliebte des Buchmännleins gewesen und müsse mit diesem geistern.

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