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Berufswahl
Was? Du übernimmst echt den Hof? Ein Jungbauer aus Romatsried erzählt

Jürgen Schmid (20) aus Romatsried hat es getan: Er hat sich für den Beruf des Landwirtes entschieden. Heutzutage ist das ein nicht ganz gewöhnlicher Berufsweg.

Auf dem Hof seines Onkels hat er bereits als ganz kleiner Bub zugeschaut und mitgeholfen. Eine prägende Zeit. Sie hat den Grundstock gelegt dafür, dass Jürgen Schmid "nichts anderes werden wollte als Bauer". Vor zwei Jahren hat er den Hof vom Onkel übernommen, mit 18 Jahren und noch während der Lehre.

Davor gab es Praktika, als Molkereifachmann beispielsweise und als Industriemechaniker. Aber der Drang in die Natur war stärker. Besonders der Umgang mit den Tieren gefällt ihm. "Die geben einem immer a bissl was zurück", sagt er. Unter anderem natürlich Milch.

Keine Zukunftsangst

Die Milch könnte besser bezahlt sein. Der Milchpreis hat schon viele vor allem kleinere Bauernhöfe vor schwerwiegende Probleme gestellt, teilweise haben Milchbauern auch aufgegeben. Jungbauer Jürgen Schmid hat davor keine Angst. "Ich denke, dass es mit der Landwirtschaft schon weitergeht. Milch ist ja gefragt, man braucht ja auch die Milch, sie ist ein wichtiges Lebensmittel.

35 Kühe hat er im Stall, für 40 wäre Platz. Mehr hat sein Onkel nicht gehalten. "Er war meistens alleine, wenn ich in der Schule war, und dann ist es sehr viel Arbeit." Neben dem Onkel unterstützen aber auch Eltern und Geschwister den Jungbauern auf dem Hof. Sein Vater geht öfter mit in den Stall, seine Mutter ist für die Buchhaltung angestellt und der Bruder hilft schon mal bei der Ernte, wenn es besonders viel zu tun gibt. "In der Landwirtschaft muss man halt auch zammhalten", sagt der 20-Jährige. Langsam möchte Jürgen Schmid auch die Anzahl der Kühe wieder aufstocken. "Eventuell kommt irgendwann ein zusätzlicher Stall für mehr Kühe dazu. Das lasse ich alles auf mich zukommen."

Alt und Jung auf einem Hof

Onkel Sebastian Schmid (68) hilft weiterhin mit auf dem Hof. Generationenkonflikt? Manchmal schon. So richtig der Chef ist momentan keiner von beiden. Man schaut, dass man alles gemeinsam macht, aber der Onkel übergibt schon sehr viel Verantwortung, besonders bei Management-Aufgaben. Maissäen beispielsweise machen die beiden nicht selbst, das macht ein Lohnunternehmer, und darum kümmert sich dann der Jungbauer. "Aber meistens klappt es gemeinsam besser als wenn einer alles alleine macht. Sonst könnt auch einer mal beleidigt sein."

Reibungspunkte gibt es immer mal. "Ich mache jetzt einige Sachen neu, was ich auch in der Lehre gelernt habe. Das kennt der Onkel oft nicht, weil es früher halt nicht so war. Er macht es so, wie er es immer gemacht hat, und es hat ja auch immer ganz gut geklappt. Aber wenn ich jetzt etwas neu mache, dann akzeptiert er es meistens. Es ist nicht immer so leicht, aber er lässt mich dann schon machen.

Für die Fütterung beispielsweise gibt es jetzt einen Mischwagen. Die Handfütterung ist sehr schwere Arbeit, da war das eine sinnvolle Anschaffung. Den Mischwagen fand der Onkel zu teuer. "Mittlerweile sieht er, dass es gut klappt. Es braucht halt manches ein bisschen Zeit, aber es geht."

Mädels finden's cool

"Bauer sucht Frau": eine Fernsehsendung, die Wellen geschlagen hat. Landwirte haben es heutzutage nicht leicht, eine Frau zu finden, so die landläufige Meinung. Landwirtschaft ist für viele junge Frauen eher abschreckend, bedeutet viel Arbeit, wenig Freizeit. Bauern haben durch "Bauer sucht Frau" ein eher einfach gestricktes Image und gelten als nicht besonders charmant. Wie ist das beim Jungbauern aus Romatsried mit den Mädchen? "Es gibt Mädels, die wollen gar nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben. Aber da halte ich mich auch lieber fern. Viele finden das aber auch ganz cool. Die zeigen Interesse und wollen das auch alles sehen und auch dabei sein. Kommt eigentlich meistens ganz gut an."

Was die Arbeitszeiten betrifft, ist Jürgen Schmid ganz zufrieden. Im Sommer hat er relativ viel Arbeit, im Winter beschränken sich die Hauptaufgaben auf Füttern, Melken und Stall-Ausmisten. Da bleibt vor allem zwischendurch auch mal Zeit zum Relaxen.

Und was ist mit Urlaub? Das war früher ja für Landwirte oft so gut wie ausgeschlossen. Das hat sich gewandelt. Familie und befreundete Landwirte helfen mit, dass auch mal längere Urlaubsfahrten möglich sind. "Ich möchte das auch immer können, gerade wenn ich dann auch mal Familie habe. Man sollte mindestens zwei Wochen im Jahr komplett weg sein vom Betrieb, damit man sich auch wieder aufladen kann."

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