Futtertrocknung
Vier Wege aus der Misere

Anfang Februar wird voraussichtlich das Insolvenzverfahren über die Futtertrocknung bei Ruderatshofen eröffnet und damit die Genossenschaft aufgelöst. Bis dahin soll ein Konzept auf dem Tisch liegen, das die Gläubiger überzeugt. Nach Meinung von Geschäftsführer Karl Engert und des vorläufigen Insolvenzverwalters Mathias Dorn zeichnen sich vier Lösungsmöglichkeiten ab.

Ein Weg ist die komplette Übernahme der Anlage durch einen Investor, der sie in Eigenregie ohne das Mitwirken anderer weiter betreibt. «Das wäre für Landwirte und Genossen die denkbar ungünstigste Form», so Engert, denn damit fielen Grünguttrocknung und Wärmeerzeugung für das Marktoberdorfer Fernwärmenetz weg.

Der zweite ist, dass ein Investor die Anlage kauft und einzelne Landwirte zum Tagespreis trocknen lässt. Die dritte Möglichkeit sieht den Einstieg eines Investors vor, der die Trocknung im Grunde wie bisher gemeinsam mit einer neuen Genossenschaft weiterführt.

Der vierte Weg ist, und das wäre Engert der liebste, regionale Geldgeber zusammenzutrommeln, die die Futtertrocknung über eine Auffanggesellschaft fortführen. In diesen Zusammenschluss könnten private Finanziers ebenso einsteigen wie Landwirte, eine Trocknungsgenossenschaft und auch die Fernwärmegenossenschaft Marktoberdorf.

Das für alle mit der Insolvenz Befassten Ärgerliche ist, dass die Anlage laut Engert nun reibungslos funktioniert. Selbst die Turbine bringe nun 20 Prozent mehr als die garantierte Leistung. Zweieinhalb Jahre hatte die Genossenschaft auf diesen Tag warten müssen.

Panne folgt auf Panne

Bis dahin reihte sich Panne an Panne. Nicht korrekt ausgeführte Arbeiten, Überschreitung der Baukosten, mangelhafte Steuerungs- und Regelungstechnik, eine Turbine, die oft mehrmals am Tag ausfiel: Die Liste, die Engert aufführt, ist lang und immer mit Kosten für die Genossenschaft verbunden gewesen. Allein für die Reparatur des Thermoölwärmetauschers und der Leckage im Fernwärmenetz - beides Materialfehler - habe die Genossenschaft gut 500000 Euro auf dem Kreditmarkt aufnehmen müssen. Diese Kosten seien ihr bis heute nicht erstattet worden. All das zusammen hatte zur Folge, dass die Genossenschaft statt mit zuletzt 4 Millionen Euro im Plus am Standort Ebenhofen nun mit 18 Millionen in der Kreide steht. Wovon allerdings der Wert der neuen Anlage abgezogen werden müsse.

Idee von vielen beachtet

Eine solche Anlage, die im Sommer Grüngut trocknet, im Winter Fernwärme liefert und dazu mit Biomasse befeuert wird, habe es bisher nicht gegeben, sagt Engert. Es sei für alle eine große Herausforderung gewesen. Dabei räumt er Fehler ein: «Uns fehlte juristische Betreuung.» Im Moment werden die möglichen neuen Betreiber sondiert. Sie stammen laut Dorn alle aus verwandten Branchen, also der Energiewirtschaft im weitesten Sinn, dem Holz verarbeitenden Gewerbe oder dem Bereich Agrardienstleistung.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen