Welttag des Übersetzens
ÜbersetzerInnen – (k)eine aussterbende Spezies?

Redaktioneller Hinweis: Dies ist ein Heimatreporter-Beitrag. Er spiegelt die Meinung des Verfassers wider.

(BH) Sie suchen auf einem Reiseportal nach einer Unterkunft und amüsieren sich über die übersetzten Bewertungen? Oder runzeln die Stirn wegen der schrägen Produktbeschreibungen beim Online-Shopping? Vielleicht stört Sie das durchwachsene Deutsch, mit etwas Phantasie können Sie sich zusammenreimen, was gemeint ist.


Umsatzzuwachs durch Übersetzung

Online-Händler lassen ihre Internetseiten gerne automatisch übersetzen und erhoffen sich davon eine Umsatzsteigerung durch Kunden aus anderen Ländern. Wenn bei solchen Gelegenheiten die preisgünstigere maschinelle Übersetzung eingesetzt wird, ist das nachvollziehbar: Der Bedarf an übersetzten Texten hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht, die Zahl der Übersetzer aber nicht!

Übersetzungssysteme schaffen es mit künstlicher Intelligenz, Texte „gut genug“ zu übersetzen, so dass der Inhalt verständlich ist. Aber: Diese Systeme „denken“ nicht, sondern errechnen nur die wahrscheinlichste Übersetzung, indem sie immense Textmengen analysieren und Ähnlichkeiten ermitteln.

Und darin besteht der wesentliche Unterschied zum menschlichen Übersetzer: Das „Mitdenken“ kann kein Programm übernehmen. Logische Fehler im Ausgangstext, Nuancen und Andeutungen zwischen den Zeilen, kulturelle Diskrepanzen und Sonderwünsche der Kunden erkennt ein maschinelles Übersetzungssystem nicht, der kompetente Fachübersetzer sehr wohl.


Maschinelle Übersetzung ist riskant

Texte aus sensiblen Bereichen wie etwa Medizin und Recht und alle, die mit Kommunikation, Kultur und Werbung zu tun haben, sind ebenfalls besser bei menschlichen Übersetzerinnen und Übersetzern aufgehoben. Nicht umsonst arbeiten sich versierte Sprachmittler tief in ihr Fachgebiet und die Terminologie ihrer Kunden ein!  Denn Übersetzungsfehler schädigen das Image und können die Gesundheit gefährden.

Zwar lassen sich Texte schon beim Erstellen gezielt auf die maschinelle Übersetzung ausrichten - im Maschinenbau und in der Automobilindustrie werden Anleitungstexte deshalb zunehmend aus wiederverwendbaren Bausteinen und in „kontrollierter Sprache“ verfasst. Aber:


Qualifizierte Übersetzer bleiben gefragt

Das hat mehrere Gründe:

  • Mit maschineller Übersetzung erzielt man bei relativ wenigen Sprachkombinationen und Fachgebieten passable Ergebnisse. Diese müssen aufwendig von einem menschlichen Sprachprofi nachbearbeitet („posteditiert“) werden.
  • Maschinell übersetzte Texte enthalten oft gravierende Fehler und Auslassungen, die ein Laie leicht übersieht. Riskant ist auch, dass die Begriffe innerhalb eines Texts uneinheitlich sind. Ohne Postediting verursacht das große Haftungsrisiken für Unternehmer.
  • Eine ausgefeilte Übersetzung stärkt das Image eines Produkts oder Unternehmens und kann die Verkaufszahlen steigern.

Trotz des Zuwachses an maschinell übersetzten Texten werden deshalb mehr menschliche Sprachmittler gebraucht in einer Branche, die 2021 weltweit voraussichtlich etwa 57 Milliarden US-Dollar umsetzt.

Am 30. September ist der internationale Tag des Übersetzens, der Hieronymustag.

2017 rief die UN-Vollversammlung dieses Datum offiziell zum International Translation Day aus und zeigt damit ihre Wertschätzung für die Arbeit internationaler Sprach- und Kulturmittler. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer BDÜ informiert an diesem Tag durch zahlreiche Online Veranstaltungen: http://www.hieronymustag.de/.

Bildquelle: https://www.fit-ift.org
#BDÜ, #ITD, #Übersetzer, #Welttag, #MaschinelleÜbersetzung

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