Historie
Über Hindernisse, den ersten Unterricht und das ländliche Leben im Hart (früherer Name des Stadtteils Kaufbeuren-Neugablonz)

Die Zeiten waren hart im Hart: Bis 1945 wurde dort Munition hergestellt, danach sprengte das US-Militär einen Teil der Bunker. 1946 hatten Vertriebene aus Gablonz die Idee, dort eine Nachfolgeeinrichtung für ihre Berufsfachschule für Schmuck zu errichten, für den die Region weltberühmt war.

Am 14. Oktober 1949 wurde an der „Gablonzer Fachschule Kaufbeuren“, der späteren Staatlichen Berufsfachschule für Schmuck und Glas in Neugablonz, der Unterricht aufgenommen. Damals kam auch Sigrid Keetmann als Lehrerin in Kaufbeuren an:

„Ein Schlagbaum versperrte an der Polizeistation den Durchgang. Es standen noch Bunker mit grasbewachsenen Flachdächern als Tarnung gegen Fliegersicht während der Kriegsjahre“, berichtet die Goldschmiedin. Wohl war ihr dabei nicht, da noch einiger Sprengstoff unter der Erde vermutet wurde. Aber es war auch possierlich: „Auf der Busfahrt von der Stadt ins Gelände sah ich einmal einen Fuchs schnüren über die weite Schneefläche bis zum Wald.“

Keetmann erlebte auch den Widerstand gegen ihren fantasievollen Unterricht und die baulichen Zustände in den Zimmern der Holzbaracke. „An einem Ende stand ein Kanonenofen, am anderen froren wir jämmerlich.“ Mit Kochplatten wärmten sich die Schüler die Füße. Auch die Toiletten waren noch sehr rustikal: Ein Häuschen neben der Baracke mit vier Kabinen: „Im Sommer duftig heiß, im Winter pfiffig kalt“, so Keetmann.

Doch sie überstand die Anfangszeit und lehrte von 1951 bis 1975 an der Fachschule.

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