Besonderer Beruf
Tätowierer Danny Haninger (26) aus Kaufbeuren: "Den Menschen als ein Kunstwerk sehen"

Danny Haninger bei der Arbeit.
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  • Danny Haninger bei der Arbeit.
  • Foto: Deeper than Love Tattoo/ Andre Schwerdel
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Der menschliche Körper als Leinwand und Kunstobjekt? Genau darum geht es beim Tätowieren. Tattoos sind eine jahrtausendealte Kunst. Früher ritzte man die Farbe mit Dornen in die Haut, heute benutzen Künstler wie der 26-jährige Danny Haninger dazu eine Maschine. all-in.de hat den 26-jährigen Tätowierer in seinem Studio "Deeper than Love Tattoo" in Kaufbeuren besucht und ihn gefragt, wie man zu dem Beruf des Tätowierers kommt und welche Hürden und Probleme es dabei und in der Branche gibt. 

Danny, was muss man als Tätowierer können? Worauf kommt es an?

Danny Haninger: Man muss von Grund auf schon im Kopf künstlerisch unterwegs sein. Man braucht ruhige Hände, Ahnung von Schattierungen und muss auch die Anatomie des menschlichen Körpers zum Teil kennen. Zum Beispiel ist es wichtig zu wissen, wie die Muskelfasern verlaufen. Genauso gehört Verantwortungsbewusstsein dazu, weil das, was man schafft, von Dauer ist. Man muss mit dem Kopf immer bei der Sache sein und den Menschen als ein Kunstwerk sehen.

Danny Haninger bei der Arbeit.
  • Danny Haninger bei der Arbeit.
  • Foto: Deeper than Love Tattoo
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Wie läuft denn dein Tag im Tattoostudio ab?

Danny Haninger: Zuerst berede ich natürlich mit dem Kunden, was er haben will und wie er es sich vorstellt. Die Hälfte des Tages besteht dann aus vorbereiten. Ich muss dann nämlich eine Vorlage machen, die den Wünschen des Kunden entspricht. Danach wird dann tätowiert. Ich selbst tätowiere an einem Tag maximal sieben Stunden, weil irgendwann die Konzentration doch nachlässt. Meistens habe ich pro Tag einen Kunden, der dann sein Tattoo bekommt. 

Was tätowierst du am liebsten und was ist am schwierigsten?

Danny Haninger: Am liebsten tätowiere ich Realistik, also zum Beispiel Porträts und "Dark Art". Am schwierigsten finde ich die kleinen Dinge. Also kleine Tattoos, weil man da die Fehler schneller sieht, aber auch Details. Manche Details müssen hervorgehoben werden und manche eher "versteckt" werden. Jeder sagt, dass Porträts, Menschen und Tiere schwierig sind, aber kleine Sachen finde ich schwerer.

Wieso bist du Tätowierer geworden und wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Danny Haninger: Ich habe schon als Kind gerne gemalt und gezeichnet. Später hatte ich dann mit Depressionen zu kämpfen. Kunsttherapie hat mir dabei sehr geholfen. Dass ich dann Tätowierer geworden bin, war dann im Endeffekt eine spontane Entscheidung. 

Wie bist du, bzw. wie wird man eigentlich Tätowierer?

Danny Haninger: Ich habe mir eine Maschine gesucht und meine ersten Tattoos zuhause gemacht. Ich bin dann recht bald zu einem Studio gegangen und habe gefragt, ob ich dort anfangen kann. Es ist allerdings nicht so leicht, weil keiner große Lust hat, jemanden aufzunehmen. Als ich dann ein Studio gefunden hatte, habe ich geübt, geübt und geübt. Anfangs habe ich mir Motive ausgesucht, bin dann zum Metzger gegangen und habe mir da Schweinehaut geholt, die ich tätowieren konnte. Nach etwa drei Monaten war ich dann ready und habe bei einer Convention den dritten Platz gemacht. Es dauert aber unterschiedlich lange, bis die Routine da ist. 2019 habe ich mich dann selbstständig gemacht und mein eigenes Studio aufgemacht. Außerdem muss man allgemein aber Geld auf der Seite haben oder nebenbei arbeiten, um Tätowierer zu werden. 

Danny Haninger bei der Arbeit.
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Gibt es keine Ausbildung oder Ähnliches?

Danny Haninger: In Deutschland gibt es bisher keine gesetzlich geregelte Ausbildung zum Tätowierer. Es gibt zum Beispiel in Berlin eine Art Tattoo-Schule oder teure Seminare, aber das macht keinen Sinn. Denn Learning by Doing ist zwar das Stichwort, aber wenn man Niemanden hat, kann man es sich gerade nur selbst beibringen. Deshalb müsste es irgendetwas geben, an das man sich wenden kann, denn sonst passieren Fehler. Es sollte auch eine Art Kontrolle geben. Sinnvoll wäre vielleicht eine Art Handwerkskammer, die die Hand darüber hat und eine Lizenz ausstellt. Mein Lehrling, dem ich es gerade beibringe, sagt auch, dass es gut wäre, wenn es so etwas wie eine Ausbildung gäbe.

Neben dem Problem mit der Ausbildung wurden ja seit diesem Jahr auch bestimmte Tattoo-Farben verboten. Warum?

Danny Haninger: Fast alle alten Tattoo-Farben wurden verboten wegen der Chemikalien, die schädlich sein sollen. Zuerst ging es um die Pigmente, im Endeffekt hat die EU dann viele verboten, weil sie gefährlich oder nicht ausreichend erforscht sein sollen. 

Ist das für dich ein großes Problem und gibt es Alternativen?

Danny Haninger: Es war allgemein ein großes Problem und ist es immer noch. Es gibt zwar neue Farben, aber die sind deutlich teurer. Vorher kostete eine Farbe etwa 10 Euro. Inzwischen ist man bei 25 bis 50 Euro. Außerdem stimmen bei fortlaufenden Projekten die Farbtöne der neuen Farben nicht mit den Alten überein. Hinzu kommt, dass die neuen Farben kaum lieferbar sind. Sie sind so krass vergriffen, wie zum Beispiel vor einiger Zeit Desinfektionsmittel wegen Corona. Ich finde auch, dass man zu den neuen Farben bisher keine Langzeitstudien hat. Man weiss gar nicht, wie sie sich auf lange Sicht in und auf der Haut verhalten.

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