Offener Brief
Syrische Flüchtlinge in Eggenthal distanzieren sich von Kölner Vorfällen

Syrische Flüchtlinge, die in Eggenthal (Ostallgäu) leben, haben sich von den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten distanziert.

'Wir schämen uns sehr für das, was passiert ist, umso mehr, wenn es auch einige unserer Landsleute gewesen sein sollten', schreiben die Asylbewerber in einem offenen Brief. In der Silvesternacht sind zahlreiche Frauen Opfer von Sexualdelikten und Diebstählen geworden. Ein Großteil der mutmaßlichen Täter sollen Migranten aus mehreren Ländern sein. Die Politik diskutiert deshalb mittlerweile über schärfere Asylgesetze.

Der offene Brief der Syrer im Wortlaut:

Offener Brief an alle Menschen in diesem Land

Wir distanzieren uns ausdrücklich von den erschreckenden Taten der Sylvesternacht von Köln, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart ! Es waren keine Terrorakte, aber es war kriminell, schmutzig, widerlich, primitiv und undankbar.

Wir verfolgen die Nachrichten und wünschen uns, daß die Täter hart bestraft werden.

Auch damit es sich andere Idioten zweimal überlegen bevor sie kriminell werden und die Gesetze, Sitten und Kultur dieses wundervollen Landes nicht respektieren.

Wer nicht fähig ist, diese Kultur und Gesetze zu ehren, sollte aus unserer Sicht besser zurück in die schmutzigen Kriege gehen, verursacht durch Gier, Dummheit und Menschenverachtung, auch wenn wir wissen, daß Menschen durch solche unmenschlichen Kriege oft ihre eigene Menschlichkeit verlieren.

Wir schämen uns sehr für das was passiert ist, umso mehr, wenn es auch einige unsere Landsleute gewesen sein sollten. Wir dachten ehrlich gesagt nicht, dass der Tag kommen würde, an dem wir einen so beschämten Brief schreiben müssten. Es ist frustrierend, vor allem da diese Menschen nun in Frieden leben in dem Land in dem sie aufgenommen wurden und vor dem Krieg beschützt werden. Es ist als würde man die Hand beißen die einen füttert.

Ein sehr bekanntes syrisches Sprichwort lautet: Fremde sind immer freundlich.

Doch wir sind nicht einfach normale Fremde, wir wurden von großmütigen Menschen vor einem schrecklichen Bürgerkrieg gerettet und wir glauben nicht, dass sie uns gerettet haben um von uns ein Dankeschön zu erwarten, sondern sie haben es aus ihrer Menschlichkeit heraus getan und in der Hoffnung, dass wir alle in Frieden leben können.

Dafür sind wir den Deutschen sehr, sehr dankbar!

Und wir hoffen, dass sie am Ende nicht nur auf diese kleine Gruppe von Kriminellen achten, die alles Gute zerstören, was die Menschen hier aufgebaut haben und ein negatives Bild auf die zahlreichen guten Menschen werfen, die aus Not und mit guten Absichten in dieses Land gekommen sind.

Es macht uns sehr traurig, es schmerzt uns und tut uns leid was passiert ist, aber wir sollten positiv in die Zukunft sehen und trotzdem an das Gute glauben. Lasst uns von unseren Fehlern lernen und hoffen, dass sich das viele Flüchtlinge zu Herzen nehmen.

Vielen Dank!

Die syrische Flüchtlingsgruppe aus Eggenthal

Mehr über das Thema erfahren Sie in der Dienstagsausgabe der Allgäuer Zeitung, Ausgabe Kaufbeuren, vom 26.01.2016.

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Autor:

Alexander Vucko aus Kempten

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