Businesstalk
Sozialpsychologe Harald Welzer hinterfragt in Kaufbeuren die Digitalisierung

Er weiß die Vorzüge der analogen Welt zu schätzen: Professor Dr. Harald Welzer.
  • Er weiß die Vorzüge der analogen Welt zu schätzen: Professor Dr. Harald Welzer.
  • Foto: Holger Hollemann
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

„Die Gestapo hätte heute ihre helle Freude.“ Man wird seinen Vortrag ja mal mit einer solch steilen These beginnen dürfen. Harald Welzer hat über den Nationalsozialismus, Gruppengewalt und Klimawandel geschrieben, als Sozialpsychologe immer die kulturwissenschaftlichen Aspekte und das irrationale Verhalten des Menschen im Blick.

In seinem Buch „Die smarte Diktatur“ wertet er die Digitalisierung als nichts Geringeres als eine Attacke auf unsere Freiheit. Dass VWEW-Energie den polarisierenden Buchautoren Welzer zu ihrem ersten Businesstalk eingeladen hat, verschafft dem kommunalen Energieversorger fast schon masochistische Züge. Denn Netzaktivitäten, der durchtechnisierte Haushalt (Smart Home) samt E-Mobilität gehören im weitesten Sinne auch zum Geschäftsfeld des Unternehmens. Man wolle relevante Themen zur Diskussion stellen, auch kontrovers, hatte VWEW-Chef Stefan Fritz den Professor und seine Fundamentalkritik angekündigt. So viel zur Erklärung.

Welzer, der selbst kein Smartphone besitzt, mit dem Zug fährt und weit davon entfernt ist, smart mit zukunftsfähig gleichzusetzen, nennt die Digitalisierung ein Risiko für die Demokratie, welche Privatheit, den Schutz der Persönlichkeit und die Kontrolle des Einzelnen über sein Leben über alles andere stellt. Das Wesen von Diktaturen sei, dass sie viel, zu viel über die Menschen wissen. „Aber es gab und gibt immer dunkle Ecken“, sagt Welzer. Sogar der Nationalsozialismus habe jüdischen Menschen vereinzelt Räume und Vertraulichkeit zum Überleben geboten.

Und heute: Persönliche Daten werden mit jedem Wischer übers Smartphone freimütig preisgegeben, alle Nischen sind taghell ausgeleuchtet. „Jeder denkt: Am meisten über mich selbst weiß ich“, sagt Welzer. Seine Botschaft, das Gegenteil: Algorithmen wissen mehr, und wer künstliche Intelligenz hat, beherrscht die Welt. Google, Facebook und Co. sammeln die Verhaltensdaten ihrer Nutzer, ohne dass es laut Welzer eine relevante gesellschaftliche Diskussion über die Folgen der Digitalisierung mit ihrer Tendenz zu Überwachung und Manipulation gibt.

Mehr über das Thema erfahren Sie in der Dienstagsausgabe der Allgäuer Zeitung, Ausgabe Kaufbeuren, vom 04.12.2018.

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Autor:

Alexander Vucko aus Kempten

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