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Sie spielen Cowboy ( und nicht Indianer): Zu Besuch beim Western-Club Rio Bravo in Kaufbeuren

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Jedes Jahr im August verwandeln die Mitglieder des Historischen Western-Clubs Rio Bravo eine Wiese nahe Kaufbeuren in eine Western-Zeltstadt. Authentisch muss es sein. Und so gibt’s Chili con Carne stilecht auf offenem Feuer zubereitet. Und natürlich Whisky. Wir haben vier Mitglieder des Clubs bei der Vorbereitung des Camps begleitet.

"Wir sind kein Karnevals-Verein", sagt Philipp Lades gleich zu Beginn unseres Gesprächs. In brauner Lederweste und dem Wappen der US-Marshals auf der Brust sitzt er in seinem "Saloon", wie er es nennt. Auf dem Tisch im Keller seines Hauses stehen Figuren von Cowboys. Und ein guter Whisky. Der Weißkopfadler, das Wappentier der USA, fliegt per Schnur von der Lampe herab.

Der 80-jährige "Phil" ist echter Western-Fan und Vorsitzender des Western Clubs. Das Zeltlager ist sein Highlight im Jahr. Und anders als beim Tänzelfest-Lagerleben in Kaufbeuren soll es historisch korrekt zugehen. Die Zelte sind aus Baumwolle, zum Teil selbst gestrickt. Die Uniformen haben die Rio-Bravo-Mitglieder in mühseliger Detailarbeit zusammengestellt, handgemacht oder für teures Geld gekauft. "Da können mehrere Hundert Euro draufgehen – manchmal geht das bis in die Tausende", erzählt "Phil".

Von den Anfängen des 18. Jahrhunderts zum späten 19. Jahrhundert reichen die Darstellungen der etwa 40 Mitglieder des Vereins. "Wir decken so etwa 150 Jahre ab. Hauptsächlich bewegen wir uns in der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs um die 1860er Jahre", erzählt US-Marshal "Dalt", die Hutkrempe tief ins Gesicht gezogen. "Die Vereinsmitglieder stellen ganz verschiedene Bereiche des Lebens dar." Da steht der Trapper neben dem Texas Ranger und neben dem Bürgerkriegs-Soldaten. Nur der Indianer fehlt. "Da kommt aber einer zu Besuch beim nächsten Mal", sagt Philipp Lades in die Runde.

Unterhält man sich mit den Mitgliedern, spürt man richtig die Liebe zu den USA und zum "Wilden Westen". Man spricht eben nicht mehr nur mit Karl-Heinz Gangel, dem Computer-Consultant, sondern mit "Charles Gangley", dem Südstaaten-Offizier.

Das Western-Lager ist für ihn eine Zeitreise und der erholsamste Urlaub im Jahr: Wenn man sich wirklich bemüht, so wie damals zu leben, ist das richtig befreiend. Es gibt keinen Elektrosmog, keinen Termindruck, keinen Computer. Und sogar die Baumwollkleidung ist richtig angenehm zu tragen, sagt er grinsend. Mit Besuchern und Kindern wuseln in der Western-Zeltstadt etwa 60-80 Einwohner. "Und die Kinder geben sogar freiwillig ihr Smartphone ab", sagt "Cook Enne". Kein Gejammer nach der Xbox? "Gar nicht. Die fühlen sich hier so wohl. Die gehen in den Wald, sammeln Pilze und spielen wie wir zu unserer Jugend. Das tut ihnen gut", sagt der Mann mit dem Sombrero auf dem Kopf.

Er ist der Küchenchef von Rio Bravo und ganz schön gefordert. Kein Kühlschrank, kein elektrischer Herd oder Backofen und eine Menge Schnippelarbeit. "Da helfen aber zum Glück alle mit. Die Männer hacken Holz und die Frauen und Kinder schneiden Gemüse." Und wenn's richtig stressig ist? "Hilft Whisky", sagt "Cook Enne" und grinst.

Infos und Kontaktdaten zum Western-Club Rio Bravo finden Sie auf der Website des Vereins.

Autor:

Stephan Michalik aus Kempten

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