Porträt
Seines Glückes (Huf-)Schmied

Nicht nur zu Silvester gilt das Hufeisen als Glücksbringer. Mit der Öffnung nach oben aufgehängt, damit das Glück nicht herausfällt, schmückt es so manchen Hauseingang.

Einen besonderen Bezug zum Hufeisen hatte Simon Hefele aus Leeder schon als Kind. Schon damals hegte er den Wunsch, den Beruf des Hufschmiedes zu ergreifen. Vor wenigen Wochen nun konnte der 25-Jährige sich seinen Traum erfüllen: Er schaffte die staatliche Prüfung im Gestüt Schweiganger.

Damit lässt er in Leeder eine alte Tradition aufleben. Denn früher beschlug jeder der Schmiede am Ort auch Pferde, weiß Dorfchronist Franz Xaver Haibl. Bei seiner Beschäftigung mit Reitpferden hatte Simon Hefele jedoch schon als Kind mit Hufschmieden zu tun gehabt und den Entschluss gefasst, später einmal diesen Beruf zu erlernen. Nach dem Schulabschluss begann er eine Lehre als Werkzeugmacher und arbeitete auch als Geselle noch zwei Jahre bei Hirschvogel in Denklingen.

50 Mulis und 20 Haflinger

Dann ereilte ihn der Ruf von 'Vater Staat' und schon bei der Musterung erklärte er klipp und klar, wo er seine Wehrpflicht ableisten möchte – ähnlich bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall. Denn nur dort gibt es ein 'Einsatz- und Ausbildungszentrum für Gebirgstragtierwesen', in dem 50 Mulis und 20 Haflinger ihren Dienst tun.

Und wie sollte es anders sein, gleich nach der Grundausbildung zog es Simon Hefele in die dortige Hufschmiede und er konnte damit gleich seinen für die spätere Prüfung erforderlichen Einführungslehrgang nachweisen.

Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr nahm er zwar zunächst wieder seine alte Tätigkeit als Werkzeugbauer auf, doch schon nach kurzer Zeit begann er das zweijährige Pflichtpraktikum für die Hufschmiedausbildung, und zwar im staatlichen Gestüt Schweiganger. Er musste sich dann nicht verändern, denn dort ist auch eine der zehn staatlich anerkannten Hufbeschlagschulen in Deutschland beheimatet, an der ein vier Monate dauernder Vorbereitungslehrgang abzuleisten war.

Fünf Kollegen aus ganz Süddeutschland nahmen daran teil und unterzogen sich mit Simon Hefele Anfang Dezember der praktischen und theoretischen Prüfung zum 'Hufbeschlagschmied'. 'Es gibt ja keine Maschine, die unsere Arbeit ersetzen kann', meint Hefele, und dies ist ein Beleg dafür, dass Beschlagen und Ausschneiden der Pferdehufe weiterhin Tätigkeiten sind, für die wie schon seit Jahrhunderten neben handwerklichem Geschick viele Fachkenntnisse und Pferdewissen erforderlich sind.

Geändert hat sich allerdings am Berufsbild, dass der Hufschmied nicht mehr in seiner Werkstatt steht, sondern auf Anforderung zur Kundschaft kommt.

Sechs bis acht Nägel pro Eisen

Werkzeuge, Gasofen, Ambos und eine Auswahl von Hufeisen in unterschiedlichen Größen befinden sich in dem Kleintransporter, der als mobile Schmiede dient. Je nach Schwierigkeit und Temperament der Pferde dauert es bis zu zwei Stunden, bis der Vierbeiner seine neuen 'Schuhe' hat. Das heiße Eisen wird zunächst auf den Huf gehalten und in der Größe geformt. 'Das erste Mal habe ich vor lauter Rauch überhaupt nichts gesehen', kann sich der 25-Jährige erinnern, und er habe sich gefragt, wie er dieses Handwerk jemals erlernen könne. Nach dem Anpassen wird das Hufeisen nachbearbeitet und zuletzt mit sechs bis acht Nägeln befestigt.

Das Ganze zwar im Viererpack kostengünstig zum Preis von menschlichen Markenschuhen, im Gegensatz zu diesen halten die der Pferde allerdings nur etwa sechs Wochen – dann sollte nach Lehrmeinung ein Ausschneiden der Hufe und ein erneuter Beschlag erfolgen.

Nicht ganz abrupt erfolgt für Hefele der Wechsel in die Selbstständigkeit, denn zwei Tage in der Woche kann er bei einem bekannten Hufschmied aus Waalhaupten 'mitfahren'. Doch da er ja im Fuchstaler Reitverein bestens bekannt ist, hofft er darauf, dass sich bald herumspricht, dass es in Leeder wieder einen Hufschmied gibt.

Und weil er sein Handwerk nach der langen Ausbildung nicht nur liebt, sondern auch bestens beherrscht, wird es in Fuchstal künftig sicherlich noch schwieriger sein, auf dem Spaziergang ein verloren gegangenes Hufeisen als Glücksbringer zu finden.

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