Kirche
Pforzens Seelsorger Dr. Pius Benson blickt optimistisch in die Zukunft seiner großen Pfarreiengemeinschaft

Es geht rund an diesem Nachmittag im Erdgeschoss des Pforzener Pfarrhofs, gleich neben der Pfarrkirche St. Valentin. Das Telefon klingelt immer wieder, Mitarbeiterinnen der Pfarrgemeinde besprechen sich mit Dr. Pius Beson, dazwischen läutet es an der Tür und in nicht einmal einer Stunde ist Abendmesse in Rieden. 'Es gibt sehr viel zu tun', das bestreitet der leitende Priester der Pfarreiengemeinschaft Irsee-Pforzen-Rieden nicht. Andererseits plädiert der 47-jährige Geistliche für Gelassenheit, wenn über die künftige Zusammenlegung von Pfarrgemeinden im Bistum Augsburg diskutiert wird.

Benson, der aus Nigeria stammt und seit 2011 im Ostallgäu wirkt, ist für die Pfarrgemeinden Ingenried, Pforzen, Zellerberg, Rieden und Irsee verantwortlich.

Damit entspricht sein Zuständigkeitsbereich schon jetzt einer Größenordnung, wie sie im Zuge der nächsten Jahre vielerorts im ganzen Bistums herrschen dürfte. Denn das einzig wirkungsvolle Mittel, um dem Priestermangel zu begegnen, ist für die Diözesanleitung der Ausbau der Pfarreiengemeinschaften.

Trotz der großen Seelsorgeeinheit, der 2010 noch Irsee hinzugefügt wurde, sieht Benson das kirchliche Leben bisher nicht beeinträchtigt. Das liege freilich auch an der intensiven Mitarbeit der beiden Ruhestandspfarrer Günther Rehle (Kaufbeuren) und Helmut Enemoser (Irsee).

Dank deren Hilfe können in der Regel am Sonntagvormittag in allen fünf Pfarrkirchen der Pfarreiengemeinschaft Gottesdienste abgehalten werden. Auch das sonstige seelsorgerische Angebot sei in gewohnter Weise vorhanden. Eng werde es vor allem an den großen Kirchenfesten, wie zuletzt an Ostern.

'Wenn man drei Karfreitags-Liturgien hintereinander zelebriert, dann ist das auch körperlich eine große Anstrengung', betont Benson.

Dies sei eventuell einer der Punkte, um innerhalb der Pfarreiengemeinschaft enger zusammenzurücken. So wurde heuer am Gründonnerstag erstmals ein zentraler Gottesdienst für alle fünf Pfarreien angehalten. Dass dieses Angebot nicht bei allen seinen Gemeindemitgliedern auf große Zustimmung stieß, kann Benson nachvollziehen.

Die Eigenständigkeit sei vielen wichtig, und diese Eigenständigkeit solle auch 'so weit wie möglich erhalten bleiben'. Auf der anderen Seite habe er aber auch beobachtet, dass viele keine Scheu hätten, sonntags an einen anderen Ort zum Gottesdienst zu fahren – vor allem wenn die Messe zeitlich besser in die Planungen der Gemeindemitglieder passt.

Auch gebe es gebe inzwischen einen gemeinsamen Kinderchor in der Pfarreiengemeinschaft und gemeindeübergreifende Besprechungen der engagierten Laien. Letztere sind für Benson unverzichtbare Mitarbeiter: 'Solches Engagement schätze ich sehr.

Der Priester kann nicht alles machen, und deshalb ist es schön, wenn Leute beispielsweise die Kommunionvorbereitung komplett in ihre Hände nehmen.'

Ein Konzept, in welchen Bereichen das kirchliche Leben künftig konzentriert und verändert werden muss – vor allem wenn die Kollegen im Ruhestand nicht mehr zur Verfügung stehen –, daran arbeitet der Geistliche noch.

Als ehemaliger Manager eines Krankenhauses und durch die Erfahrungen aus seiner afrikanischen Heimat, fühlt sich Pfarrer Benson dieser Aufgabe aber gewachsen. In Nigeria sei es üblich, zehn Pfarrgemeinden zu einer Pfarreiengemeinschaft mit einem oder zwei Priestern zusammenzufassen.

Vor diesem Hintergrund sehe er die Probleme und Diskussionen in der Diözese Augsburg eher gelassen. Vor allem aber plädiert Benson für mehr Gottvertrauen: 'Wir dürfen nicht zu viel Angst haben. Jesus hat versprochen, dass die Kirche durch alle Zeiten bleibt.'

Nicht ganz so optimistisch ist beispielsweise Annette Heiß, Vorsitzende des Pforzener Pfarrgemeinderates. Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden der Pfarreiengemeinschaft funktioniere in bestimmten Bereichen zwar. 'Wir probieren da auch immer wieder etwas Neues aus.'

Aber gerade die gewachsenen Strukturen der einzelnen Pfarrgemeinden sorgten dafür, dass das allgemein schwindende Interesse an der Kirche am Leben erhalten wird.

Sollte irgendwann das Konzept eines zentralen Pfarr- und Messortes für die Pfarreiengemeinschaft umgesetzt werden, 'dann verlieren wir die, die sich jetzt engagieren, auch noch', fürchtet Heiß.

Zum Abschluss der Themenwoche, in der sich die AZ intensiv mit der Gemeinde Pforzen beschäftigt hat, macht am heutigen Freitag von 10 bis 13 Uhr das AZ-Zeitungsmobil vor dem Rathaus Station.

Ab 11 Uhr steht Markus Bär, stellvertretender Leiter der Lokalredaktion Kaufbeuren, für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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