Kirche
Pfarrer Helmut Enemoser wird im Ruhestand in Irsee aushelfen

Da war Irsees Bürgermeister erstaunt: «Als mir der neue Pfarrer die Tür aufmachte, stand er in Tracht vor mir», erzählt Andreas Lieb. Der Antrittsbesuch des weltlichen Gemeindevorstehers bei dem Geistlichen gestaltete sich recht angenehm. «Er macht einen sehr sympathischen und volkstümlichen Eindruck. Ich glaube, Pfarrer Helmut Enemoser passt gut nach Irsee», so Lieb. Der so Gelobte verweist bescheiden darauf, dass er im Ruhestand ist: «Ich will mich aber nicht zurückziehen. Das ist nicht meine Art.»

Der 69-Jährige ist heuer in den Ruhestand gegangen, nachdem er 42 Jahre im Dienst der Kirche war - zuletzt als Pfarrer in Murnau. In Irsee soll Enemoser das Vakuum füllen, das Pfarrer Johann Wagner nach seinem altersbedingten Abgang hinterließ - und weil die Diözese danach eine Pfarreiengemeinschaft mit Irsee, Pforzen und Rieden bildete, für die Pfarrer Jan Wojcik allein zuständig ist und der seinen Sitz in Pforzen hat. Das kam zwar bei vielen Irseern nicht gut an, aber Enemoser hat dafür Verständnis: << Das ist natürlich schade, denn jede Gemeinde will selbstständig bleiben. Aber es geht nicht anders. >>

Dass wiederum Irsee etwas anders ist, hat er schon festgestellt, Berührungsängste hat er allerdings nicht. Seinen ersten Gottesdienst feierte er in Bickenried auf dem Hof der Hoffnung, in dem ehemalige Suchtkranke leben. << Das war sehr schön, und die Begegnungen mit den Leuten interessant. >> Ohnehin trifft der Pfarrer in Irsee auf viele Zugezogene, doch mögliche Schwierigkeiten sind ihm geläufig: << In Murnau war die Bevölkerungsstruktur ähnlich. >> Weiteren standortbedingten Besonderheiten oder etwa der Irseer Motorradweihe sieht Enemoser gelassen entgegen.

Ein anderer kniffliger Punkt hat sich für ihn erledigt: Denn bis voriges Jahr gab es einen Zwist über den Standort des Volksaltars in der Pfarrkirche zwischen dem alten Pfarrer und dem künstlerischen Leiter des Musikfestivals << Klang und Raum >>, Bruno Weill. << Das ist nicht mein Problem, denn dieses Jahr findet das Festival zum letzten Mal statt. Aber in Murnau hatten wir auch Konzerte in der Kirche. Da wurde der Volksaltar nach Bedarf ein- oder ausgezogen. >>

Praxisbezogenheit liegt auch in des Pfarrers Vergangenheit: Nach der Schule lernte er von der Pike auf das Textilhandwerk bei der Firma Momm: << Ich war ein Fabrikler >>, bekennt er. Doch ganz zufrieden stellte ihn die Arbeit nicht - es fehlte der geistige Hintergrund. Enemoser holte das Abitur nach, studierte Theologie und wurde Priester.

In Münster lernte er auch den jetzigen Papst Benedikt kennen: << Damals war er in den Vorlesungen ein junger, offener und liberaler Theologe >>, erinnert er sich. Das prägte auch Enemoser: Zwar seien theologische Werke eines seiner großen Interessengebiete, aber liturgisch sei er nicht traditionalistisch. << Ich bin als Mensch bodenständig, aber als Theologe offen >>, beschreibt er sich. Auch auf dem Gebiet der Literatur fühlt er sich wohl: Friedrich Josef Dürrenmatt, Jean-Paul Sartre oder Krimiautoren wie Georges Joseph Christian Simenon gehören zu seiner Lieblingslektüre.

Ohnehin sind ihm << weite Horizonte >> lieber: ob bei seinem Engagement für Hilfsprojekte in Tansania oder Ruanda - oder auf den Bergen beim Wandern. << Ich war früher viel in den Bergen, aber das Alter lässt sie höher und steiler werden. >> Sein Interesse an Afrika stimmt ihn auch mit Vorfreude auf den neuen Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Pforzen ein: Ab 1. September wird nämlich Pater Pius Benson aus Nigeria den bisherigen Pfarrer Jan Wojcik ablösen. Mit ihm wird Enemoser dann seinen Arbeitsbereich besprechen. << Ich freue mich schon auf die Pfarrkirche und Irsee, denn die Gemeinde ist sehr offen >>, resümiert er.

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