Jubiläum
Pfarrei Maierhöfen feiert 200-jähriges Bestehen

Mit ihren 200 Jahren gehört die Pfarrei Maierhöfen samt Kirche zu den jüngsten im Landkreis. Aber die Maierhöfener mussten sich Kirche und Pfarrei seinerzeit hart verdienen, 30 Jahre dauerte ihr Kampf um beides. Es war eine lange Geschichte von Hoffnungen und Enttäuschungen, aber auch von Zähigkeit und Durchhaltevermögen. Umso mehr ein Grund für die Gemeinde, heuer das 200-jährige Bestehen ausgiebig zu feiern.

Ursprünglich gehörte Maierhöfen zu Grünenbach und damit zum Kloster Mehrerau. Etliche der heutigen Filialen im Norden des Dorfes gehörten zu Gestratz oder sogar zum Kloster Isny. «Eine Errichtung einer eigenen Pfarrei in Maierhöfen leuchtet jedem ein, der die weiten Wege zu den Mutterpfarreien in Gestratz und Grünenbach kennt», schreibt Pfarrer Mathaeus Fink im Jahr 1844.

Der langjährige Ortsheimatpfleger von Maierhöfen, Georg Fischer, hat Finks Text zu einer umfangreichen Pfarreigeschichte verarbeitet. Ortsheimatpflegerin Lieselotte Häge nennt es bewundernswert, dass Fink nach so langer Zeit eine so ausführliche Chronik schrieb.

Die weiten Wege für die Kirchgänger störten an höherer Stelle keinen, ganz im Gegenteil, das Kloster Mehrerau wehrte sich nach Kräften gegen die Gründung der Pfarrei.

Schon 1785 reiste der Schmied Ulrich Einsle aus Happach nach Wien, denn das Westallgäu war damals vorderösterreichisch und die Habsburgerkaiser die Herren. «Das muss man sich einmal vorstellen, dass ein Handwerker zur damaligen Zeit diese große und entbehrungsreiche Reise auf sich nahm und dann auch an höchster Stelle angehört wurde», sagt die Ortsheimatpflegerin.

Einsle erreichte ein allerhöchstes Dekret, mit der Weisung, dass das Kloster in Maierhöfen Kirche und Schule herstellen solle.

Im Jahr 1806 entstand das Königreich Bayern von Napoleons Gnaden und das zu Vorarlberg gehörende Westallgäu wurde gegen den Willen der Bürger dem Königreich einverleibt. Für die Maierhöfener war das aber gar nicht so schlecht, weil sie sich durch die königlich bayerische Regierung endlich die Erhebung in eine selbstständige Pfarrei versprachen. Ulrich Einsle reiste wieder, holte sich Unterstützung und tatsächlich wurde die «allergnädigste Bewilligung zum Bau einer Pfarrkirche» am 5. Dezember 1808 erteilt. 1807 war die Kirche von Mehrerau nach der Säkularisation abgebrochen worden. Pfarrer Fink verleitete das zu der Notiz: «Erst mussten die Türme des Klosters Mehrerau fallen, dass ein Turm in Maierhöfen errichtet werden konnte.»

Der Standort der zu bauenden Kirche gab wohl zu manchen Diskussionen Anlass. Aber alle Stiftungen von Wohltätern und alle Kommissionen sprachen sich für Maierhöfen aus.

Die Baugenehmigung kam übrigens erst 1811, als die Kirche schon fertig gebaut war. Pfarrer Fink war gebeten worden, den Bauleiter zu machen, was er den Zeitzeugnissen und seinen eigenen Bemerkungen nach, wohl mit viel Herzblut gemacht hat. «Und die Lorbeeren hat er auch den anderen gelassen», betont die Ortsheimatpflegerin. Nun war es aber mit Bauen allein nicht getan, die Kirche kostete ja viel Geld. Beim Geld sammeln tat sich besonders Jakob Frommknecht von Neppen hervor. Fink hatte ihm das «landgerichtliche Bettelpatent und zweitausend farbige Gebhardsbilder» mitgegeben, das galt als Leumundszeugnis. 1811 wurde die Kirche vollendet und die Pfarrei errichtet.

Dass der heilige Gebhard Kirchenpatron wurde, dafür sorgten einige Grünenbacher Bauern namens Gebhard.

In einer Kirchenchronik können allerlei Anekdoten aus der Entstehungsgeschichte der Pfarrei nachgelesen werden. «Der Wunsch nach einer Pfarrei war so groß, dass viele bereit waren, dafür auf etwas zu verzichten, obwohl sie alle ohnehin schon wenig hatten. Diese Kultur, gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten, dafür etwas einzusetzen, würde ich mir heute auch wieder wünschen», sagt Häge. (rau)

Die Festschrift und Kirchenchronik «Pfarrei Maierhöfen 200 Jahre» ist ab 1. Mai in der Kirche, bei der Ortsverwaltung und in der Bäckerei Göhl zu bekommen.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen