Kleinkunst
Opernbayern persiflieren klassische Werke und begeistern

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'Kaum hat er ihr Mitleid erregt, hat er sie wieder reingelegt', kommentierten die 'Opernbayern' das Treiben des Don Giovanni. Das war eine von zwei Opern, die die Komödianten aus München und dem Lechtal bei ihrem Auftritt im Kaltentaler Brauhaus persiflierten und musikalisch interpretierten. Das 1787 von Mozart vertonte Drama 'Don Giovanni' erwies sich als dankbarer Stoff für die 'Opernbayern'. Don Giovanni ist ein Lebemann, der mit Anna, Elvira und Zerlina gleichzeitig anbandelt, was nicht nur die begehrten Frauen, sondern auch deren Männer eifersüchtig macht.

Meist muss Leporello, Don Giovannis Diener, den Ärger ausbaden oder die Kärrnerarbeit machen: 'Leporello, siehst Du die Braut? Die nehme ich jetzt und Du bringst den Bräutigam um.' Doch einmal ersticht der Don persönlich einen rasenden Vater. Während alle Racheversuche scheitern, holt sich schließlich der Tote seinen Mörder, fährt mit ihm in die Hölle und lässt die ratlosen Beteiligten zurück. 'Es ist, als sei nichts passiert. Nur der Gestank, der irritiert.'

Seit rund 15 Jahren interpretieren die 'Opernbayern' Opern auf Bayerisch. Impresaria ist die Schauspielerin und Sängerin Johanna von Schutter, die neben Volkstheater als 'Primatonne' auch Kabarett macht. Weitere Sprecher sind die Schauspieler Henner Quest und Peter Seitz.

Einerseits sind die Opern ohnehin komisch und derb umgeschrieben, was der oberbayerische Dialekt noch unterstreicht. Doch die Erzähler setzen noch eins drauf, geben den Figuren individuelle Stimmen, gestikulieren und grimassieren dazu und imitieren sogar teilweise die Geräusche.

Dazu kommen die vorzüglichen Berufsmusiker Stefanie Hampel (Harfe), Barbara (Gitarre) und Herbert Schmelzer (Zither) sowie Gabriele Prediger (Sologitarre) und Bernhard Mahne, der einen Kontrabass von 1750 spielt und obendrein das komische Element der Musiker darstellt.

Lohengrin in Grünwald

Im zweiten Teil nahmen sich die 'Opernbayern' 'Lohengrin' von Richard Wagner vor. Aus dem Werk von 1850 wurde 'Lohengrin von Grünwald oder allzuvui Neugier is ungesund'. Gralshüter Parzival und sein Sohn Lohengrin sitzen auf ihrer Burg Montsalvat, als sie Kunde von der schönen Elsa in Grünwald bekommen. 'Bayern, da wollt ich schon immer mal hin', sagt Lohengrin und bricht auf.

Dort wird gerade Elsas Bruder Gottfried vermisst und der von ihr verschmähte Telramund ('Sie waren miteinander verwandt – er ihr Onkel, sie sei Tant.'), bezichtigt Elsa, sie habe den Bruder umgebracht. Sie bestreitet das aber, weshalb ein Gottesurteil Klarheit bringen soll.

Da erscheint auf einem von einem Schwan gezogenen Boot Lohengrin auf der Isar. Er besiegt Telramund und heiratet Elsa – unter der Bedingung, dass sie nie nach seinen Namen fragt. Doch Telramunds Frau Ortrud intrigiert so lange, bis Elsa ihren Gemahl doch nach dem Namen fragt: 'Sagst mir Deinen Namen oder net, sonst geh i net mit Dir ins Bett.' Aber ach, 'allzuvui Neugier is ungesund'.

Lohengrin muss nun nämlich nach Hause zurück. Zuvor tötet er jedoch Telramund, als dieser ihn angreift, und lüftet das Geheimnis seiner Herkunft. Außerdem verwandelt sich der Schwan in Gottfried. Ortrut stirbt deshalb vor Wut und Elsa vor Gram.

'Des kimmt davon, wenns Weib ois wissen will', kommentiert Gottfried das Geschehen. Als Zugabe, die das Publikum mit viel Applaus vehement forderte, gab es noch Auszüge aus dem 'Freischütz' von Carl Maria von Weber. Markus Frobenius

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