Geschichte
Münchner Manufaktur stellt nach 20 Jahren wieder Germaringer «Schlossgeist»-Schnaps her

«Drum nur mit Bedacht aus der Pulle du nasche, sonst wirst du das Opfer des Geists aus der Flasche», reimte Werner Hebel. Der Betonfabrikant aus Germaringen wusste, wovon er schrieb, denn er produzierte auf dem Firmengelände auch Likör.

<< Das machte er mit viel Liebe zum Detail >>, erinnert sich seine Frau Gisela Hebel. Vor rund 40 Jahren wurde der erste Kräuterbitter << Klausner >> hergestellt, doch 20 Jahre später die Produktion wieder beendet. << Jetzt haben wir die Idee, den Likör als Geschenkpackung wieder aufleben zu lassen >>, so Gisela Hebel.

Ihr Mann stammte aus einer Memminger Fabrikantenfamilie. Anfang der 1950er kam der Diplom-Ingenieur nach Germaringen und eröffnete dort die Betonfabrik Hegerma. Hebel (1928-2002) war ein << globaler Mensch >>, meint seine Witwe. Er musizierte und dichtete, renaturierte seine Kiesabbauflächen zu einem Biotop und rief später eine Stiftung für Kultur und Natur ins Leben.

Zudem war er ein versierter Koch: Zusammen mit bis zu 20 anderen Gourmets traf er sich gelegentlich in seinem Haus, dem ehemaligen Perlitwerk seiner Firma, das Hebel zu einer Burg umbauen ließ. << In diesem illusteren Kreis entstand die Idee, einen Kräuterlikör herzustellen. Dort wurde auch der Name ausgeheckt >>, so Gisela Hebel. Klausner stand wohl für den eremitischen Mönch in seiner abgelegenen Klause, so abgelegen wie auch Hebels Burg hinter der Fabrik.

Er baute eine nagelneue Produktionsstätte gegenüber seiner Betonfabrik und fing vor 40 Jahren an, Likör zu produzieren. << Es war ein Alpen-Kräuterbitter mit 37 Kräutern aus der Schweiz >>, berichtet Gisela Hebel. Sieben verschiedene Flaschen umfasste das Sortiment: große und kleine, mit dunklem Likör und 34 Prozent Alkohol und hellem << Schlossgeist >> mit 38 Prozent.

Magenfreundlich und für Longdrinks geeignet, sei das auf natürlicher Basis hergestellte Getränk sehr bekannt gewesen: << Es war wirklich angenehm zu trinken >>, erzählt Gisela Hebel weiter, die 1975 das Marketing für den Likör übernahm und darob << Frau Klausner >> geheißen wurde.

Doch vor etwa 20 Jahren wurde ihrem Gatten die Produktion zu viel. Er musste sich als über 60-Jähriger entscheiden: Entweder noch einmal viel investieren, um die kleine Fabrik richtig konkurrenzfähig zu machen oder sie zu schließen. Die Restbestände wurden ebenso verkauft wie die Likörfabrik.

Dennoch ist der Klausner wieder aktuell: Gisela Hebel und ihr Sohn, Andreas Müller, wollen das Getränk wieder aufleben lassen. Derzeit erprobt eine Münchner Manufaktur das Originalrezept, um den Geschmack wieder zu erreichen. Wenn das geschieht, soll der Klausner (in geringem Volumen) neu aufgelegt werden - vorerst zumindest als Geschenkpackung.

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