Reisereportagen
Journalist Franz Lerchenmüller aus Grünenbach ist seit 20 Jahren rund um den Globus unterwegs

'Nie lügen, nie langweilen.' Für den Reisejournalisten Franz Lechenmüller sind das seit mehr als 20 Jahren die beiden Grundregeln, die dem gebürtigen Westallgäuer zum Erfolg verholfen haben. Und die Devise: 'Man muss immer bereit sein, von jedem etwas zu lernen.'

Kanada, Kamerun, Wien, Madagaskar ('Eine dreitägige Flussfahrt auf einem Schiff ohne Klo'), Brüssel, Madeira, Lechweg (von der Quelle in Vorarlberg bis zum Lechfall in Füssen) und Elberadweg – das waren Aufenthalte in diesem Jahr.

15 bis 20 mal packt er seine Koffer. Früher war es noch öfter, zwischen drei Tagen und drei Wochen lang; doch inzwischen tritt er kürzer, sagt der 59-Jährige. Er hat sich einen Ruf für Qualitätsjournalismus in der Branche buchstäblich erarbeitet. Das verdankt er neben der Sorgfalt beim Schreiben den Tugenden 'Verlässlichkeit und Unabhängigkeit', die er hochhält, wie er betont.

Lerchenmüller, der seit 30 Jahren in Lübeck wohnt, zweimal im Jahr die Verwandten in Grünenbach besucht, berichtet von seinen Reiseerlebnissen rund um den Globus, für verschiedene Zeitungen, wie Die Zeit, Süddeutsche, FAZ oder Augsburger Allgemeine/Allgäuer Zeitung, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehsender.

'Ich klettere am Großglockner, tauche in Honduras, wandere durch Brasilien und angle in Norwegen, sonne mich auf einem Kreuzfahrer, lausche 'Figaros Hochzeit' in der Scala und koste Bratwürste im Frankenwald', umreißt er sein Tun.

Zum Reisen hatte er schon immer Lust. 'Das weitet den Blick', sagt er. Als junger Mann hat er Spanien erwandert, meist per Anhalter.

Seine Begeisterung kann er auf den Leser übertragen. Und er erzählt so anschaulich, dass es überrascht und neugierig macht. Gern fährt er mit kleinen Reiseveranstaltern, die frische Ideen haben, und er hat eine Vorliebe für Pilotreisen, die noch keiner beschrieben hat. Ab und zu reist er auf eigene Faust. 'Es ist nicht die Landschaft, es sind die Leute, die man trifft, über die sich ein Land erschließt', ist seine Erfahrung. Deswegen bedauert er es, neben Englisch und Spanisch nicht auch Französisch zu verstehen. 'Gerade in Afrika wäre das hilfreich.'

Wenn der Reporter ein ihm noch fremdes Ziel ansteuert, informiert er sich, vermeidet es aber, Fotos anzuschauen. Er will es mit eigenen Augen sehen, 'sozusagen mit jungfräulichem Blick erkunden', merkt er an.

Auf dem Atlantik gekentert

Gefährliche Abenteuerreisen sind nicht sein Ding. 'Ich habe schließlich Familie.' Einmal sei er mit dem Kajak bei hohen Wellen auf dem Atlantik gekentert, doch das Unglück, das leicht tödlich hätte ausgehen können, endete glimpflich. Die Mutter, erzählt er, macht sich ständig Sorgen. 'Hoffentlich geht alles gut', sage sie jedesmal. Der Vater hingegen, der selbst gerne reist, sei hingerissen vom Beruf des Sohnes: 'Der ist eher neidisch.'

Lerchenmüller geht keine ausgetretenen Pfade. So wie sein Lebenslauf, der ihn auf Umwegen zum Schreiben führte. 'Als Kind wollte ich Pfarrer werden', berichtet Lerchenmüller. Deswegen ging er nach der Volksschule mit zehn Jahren ins Internat nach Kempten. Doch mit 16 Jahren verließ er das Priesterseminar. 'Es war mir dann doch zu christlich, zu eng', blickt er zurück. Mit 18 suchte er das Weite.

Nach dem Zivildienst im Taunus und einem sozialpädagogischen Studium zog es ihn nach Lübeck, wo er auch seine finnische Frau Kaija kennenlernte. Nach 13 Jahren in einem heilpädagogischen Kinderheim hatte er die Gelegenheit, über befreundete Redakteure in den Journalistenberuf einzusteigen. Zunächst für die Zeitschrift 'konkret', dann bei einer Hamburger Tageszeitung. 1990 machte er sich selbständig.

'Geschrieben habe ich schon immer', verrät der Globetrotter. Er erinnert sich an seinen ersten Artikel für die Allgäuer Zeitung. Es war ein Bericht vom Fußballspiel zweier Kemptener Gymnasien. ' Das Honorar betrug 6,62 Mark', weiß er noch genau.

In 'Deutschlandreise', einem ungewöhnlichen Lübecker Verlagsprojekt, erscheinen in loser Reihenfolge Porträts bekannter Urlaubsgebiete. Die Reportagesammlungen sollen den Leser zum Entdecker machen. Mit dem Buch 'Alpenblick & Schwabenmeer', Lerchenmüllers Erlebnistouren zwischen Allgäu und Bodensee, die heuer erschienen sind, hat er 'das Dutzend voll' gemacht. Für das nächste Buch ist er in Sachsen unterwegs, wo er weiter das Außergewöhnliche im Bekannten sucht.

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