Transplantation
Josef Schmölz aus dem Ostallgäu spendet dem vierjährigen Jörg ein Organ

Quirlig, wie Vierjährige nun mal sind, flitzt Jörg über den Hof. «Josef, Josef» ruft er und präsentiert einen Regenwurm oder zeigt, wie er auf dem Traktor sitzt. Seit ein paar Monaten ist der Kleine aus Pforzen extrem auf seinen Großonkel fixiert - und eng mit ihm verbunden: Er lebt mit Josef Schmölz rechter Niere.

Bei einer Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft wurde festgestellt, dass die Harnleiter von Wunschkind Jörg verschlossen waren. << Eine Laune der Natur >>, wie die Ärzte Mutter Marion Pfluger erklärten. Die Ärzte setzten dem Ungeborenen ein Stäbchen ein, später kamen eine Magengrippe und Lungenentzündung dazu. Anfang 2010 waren Jörgs Nieren so kaputt, dass nichts mehr ging.

<< Das war ein gewaltiger Tiefpunkt >>, sagt Mutter Marion. Es folgten schlaflose Nächte, Verzweiflung und die Tortur der << Blutwäsche >>, wie der Kleine die Dialyse nennt. Dreimal die Woche musste er nach Memmingen, um für jeweils vier Stunden an den Maschinen zu hängen. Und die Eltern konnten nicht helfen: Vater Reinhold hat die falsche Blutgruppe, eine Transplantation der Mutter lehnen die Ärzte mit Blick auf akute Notfälle ab.

Verzweifelter Anruf

Bei einem verzweifelten Telefonat mit ihrer Tante Walli entschied sich deren Mann Josef << ganz spontan >>, zu helfen. Zahlreiche Klinikaufenthalte und Wochen später stand das Ergebnis fest: Seine rechte Niere passte auch von der Größe her genau zu Jörg und konnte transplantiert werden. Der 58-Jährige macht kein Aufheben um seine lebensrettende Spende: << Ich bin froh, dass ich helfen konnte >>, sagt er und lobt statt dessen seine Familie, die stets hinter seinem Entschluss stand, seinen Arbeitgeber Nestlé, der sich wie die Krankenkasse des Buben überaus kulant zeigte, sowie die Klinik-Teams in Memmingen und Erlangen, wo die Transplantation erfolgte.

Und er bewundert, was seine Nichte in den fünf Wochen nach der Operation geleistet hat, als sie mit Mundschutz und Kittel fast keine Sekunde von der Seite ihres Sohnes wich.

Schmölz dagegen durfte nach einer Woche nach Hause. Bis die verbliebene Niere größer geworden ist und die ganze Arbeit komplett übernimmt, muss er sich jedoch noch schonen. Dann aber kann er laut den Ärzten auch mit einer Niere << leben bis Ultimo >>, schmunzelt der Biessenhofener. Medikamente braucht er nicht - im Gegensatz zu Jörg. Dem Buben steht zudem noch eine weitere Operation bevor, bei der die kaputte rechte Niere entfernt wird. Doch das sieht Mutter Marion gelassen, nachdem die Transplantation so erfolgreich war.

Richtig aufgeregt haben sie wie Schmölz dagegen die bürokratischen Hindernisse, die bei einer Lebendtransplantation zu überwinden sind. Wegen diesen sind von Schmölzs Entschluss bis zur Operation gut neun Monate vergangen: << Das ist viel zu lange. >> Schmölz und Jörgs Mutter erzählen von Untersuchungen über Untersuchungen und vor allem von dem vorgeschriebenen Ethikgespräch, in dem unter anderem eine << besondere Beziehung >> des Spenders zum Empfänger nachgewiesen werden muss.

In Jörgs Fall entwickelte sich die übrigens nicht erst mit der Transplantation, sondern bereits, als Schmölz zum ersten Mal Blut für die Untersuchung abgab: << Als ob er das gespürt hat. >>

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