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Heute ist der letzte Tag für Wolfgang Gerum als Friesenrieder Bürgermeister

Wenn jemand nach vielen Jahren aus einem Amt scheidet, wird immer gerne der Begriff des 'Urgesteins' bemüht – und in manchen Fällen vielleicht gar überbemüht. Bei Wolfgang Gerum, der heute seinen letzten Tag als Bürgermeister von Friesenried hat, besteht diese Gefahr indes nicht.

Den 63-Jährigen, der 22 Jahre an der Gemeindespitze stand, werden viele, die ihn aus nächster Nähe erlebt haben, gerne als echtes Allgäuer Original einordnen. Das kein Wort zuviel spricht, wenn es nicht sein muss, das kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn ihm etwas nicht passt.

Heute Abend wird der Kommunalpolitiker bei einer Bürgerversammlung verabschiedet. Der gebürtige Friesenrieder, aus einer alteingesessenen Familie stammend, hatte zunächst den Beruf des Landwirts erlernt, später sattelte er auf Krankenpfleger um, war im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren lange Jahre als Pflegedienstleiter tätig. Als er 1990 zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt wurde, war die erste Zeit naturgemäß erfreulich.

'Da sind einem noch alle Bürger wohlgesonnen', meint er schmunzelnd. Doch kurz darauf ging es schon mit schwierigen Aufgaben los. Der Kanalbau stand an – in Friesenried von 1990 bis 1995 und später noch in Salenwang von 2000 bis 2002. 'Da hat jeder zahlen müssen und jeder seine eigene Sicht der Dinge', erinnert sich Gerum. Das ging in einigen Fällen so weit, dass man sich vor Gericht wiederfand.

Als besonders schöne Aufgabe hebt er hingegen den Bau der Vereinsheime in Friesenried (1997/98) und in Blöcktach (1996/97) hervor. 'Das ist eine gute Sache. Da profitieren viele über die Vereine davon.' Zudem gab es viel Eigenleistung der Bürger, das führt zu Zusammengehörigkeitsgefühl. Später gab es dann noch weitere wichtige Dinge für die Gemeinde zu organisieren: etwa das neue Feuerwehrhaus oder den Wertstoffhof.

Dazu kamen viele Sanierungsmaßnahmen im Bereich Wegebau, der Schule, Kindergarten, bei den Friedhöfen und Kirchen. Ein ganz großes Vorhaben war auch der Hochwasserschutz: Der Damm zwischen Salenwang und Friesenried steht längst, jener bei Blöcktach wird demnächst gebaut. Die Arbeit damit wird Gerums Nachfolger Bernhard Huber haben.

2002 geriet Gerum bundesweit in die Schlagzeilen, weil er als Bürgermeister aufhören wollte – aber nicht konnte. Denn die Friesenrieder ließen ihn nicht ziehen. Er hatte sich bereits 2001 überlegt, dass er in seiner Tätigkeit als Pflegedienstleiter noch einmal in Vollzeit durchstarten könnte.

Diesen Posten hatte er die ganzen Jahre in Teilzeit neben seinem Bürgermeisteramt ausgeübt. 'Außerdem denke ich, dass es nie wirklich gut ist, lange im Amt zu sein.' Zuviel Routine, zuviel Abgeklärtheit, zu wenig Dampf seien die Folge. Aber 2002 fand sich partout kein Kandidat.

So ließ sich Gerum, genau wie 2008, noch einmal breitschlagen. Als Gerum ins Amt gewählt wurde, war er parteilos. 'Parteien sind mir nach wie vor ein Gräuel', sagt er. 'Die machen viel kaputt.'

Später trat er dann doch bei den Freien Wählern ein – eher aus pragmatischen Gründen: 'Ich dachte damals, dass das wichtig für die Gemeinde und die Region sein könnte.'

Etwas wehmütig sei er schon, dass heute sein letzter Tag im Amt ist. Langweilig werde es ihm aber nicht. Inzwischen hat er schon zwei lang ersehnte Enkelkinder. Und außerdem gebe es für ihn genug bei der Waldarbeit zu tun. Ausbauen möchte er auch seine Kontakte nach Brasilien. Dort hat er Verwandtschaft, etwa 1000 Kilometer südlich von Rio, er spricht auch Portugiesisch.

Und so ganz weg von der Kommunalpolitik wird er auch ab der kommenden Woche nicht sein: Denn schließlich sitzt er noch die nächsten zwei Jahre für die Freien Wähler im Ostallgäuer Kreistag.

Heute Abend findet um 20 Uhr im Gasthaus Traube die Friesenrieder Bürgerversammlung statt. Dabei wird Wolfgang Gerum verabschiedet. Außerdem geht es um einen Rückblick auf das Jahr 2011 und die Vorschau auf die weiteren Vorhaben für 2012.

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