Projekt
Fazenda unter neuer Leitung

Drei Jahre nach der Gründung des Hofs der Hoffnung (Fazenda da Esperança) in Bickenried verlässt Pater Georg Schlütter die Einrichtung. Der 69-Jährige war maßgeblich an der Gründung und Leitung des Hofs beteiligt. «Ich werde bald 70 Jahre und war mit der Gründung der Fazenda sehr eingespannt. Jetzt soll es etwas ruhiger werden», sagt Schlütter. Mit Pfarrer Christian Heim aus Paderborn steht bereits ein Nachfolger fest.

Die Einrichtung des Hofs für ehemalige Suchtkranke sorgte 2007 für viel Wirbel: Sogar eine Bürgerbefragung fand in Irsee statt, die knapp zugunsten der Fazenda ausging. Schlütter meinte schon damals, dass viele Ängste unbegründet seien. Inzwischen ist der Hof etabliert. Der Beirat, in dem unter anderem Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert und Irsees Bürgermeister Andreas Lieb sitzen, stellt ein gutes Zeugnis aus. Die Bürger der Gemeinde helfen bei Festen oder bei Behördengängen und spenden. «Es läuft besser als erwartet. Ich dachte, die Menschen sind reservierter», so Schlütter. Die Bewohner oder ehemalige Hofangehörige nehmen immer mehr am Gemeindeleben teil, einer heiratete inzwischen sogar eine Einheimische. Zudem laufen das Hofcafé, der kleine Laden und der Versand für die «Kirche in Not».

Dazu leben viele Tiere auf dem Hof, die Einrichtung wurde offiziell vom Freistaat als Projekt «Therapie statt Strafe» anerkannt.

Aber ganz problemlos lief es nicht, erinnert sich Schlütter. Zwei Leute mussten gehen, weil sie Drogen konsumierten, ein anderer ging freiwillig, sorgte aber für Verwirrung, weil die Gemeinde kurzzeitig für ihn aufkommen musste. Dennoch sei es mittlerweile so, wie es der Bürgermeister von Nauen, wo der «Mutterhof» Gut Neuhof liegt, einst formuliert hat: «Man merkt kaum, dass sie da sind. Aber wir wollen nicht, dass sie gehen.»

So will es Heim beibehalten. Der 42-Jährige aus Paderborn war schon bei der Gründung in Irsee und kennt das Allgäu: «Das ist die schönste Fazenda Deutschlands», lobt er. Heim studierte Theologie und war Pfarrer, ehe er sich für die «Familie der Hoffnung», der 2010 vom Vatikan anerkannten Gemeinschaft, die die Fazendas trägt, anschloss. Vor 22 Jahren lernte er die Fazendas in Brasilien kennen. Ab 2008 leitete er die Region Europa der «Familie». Nun wird er in der Übergangsphase zusammen mit Schlütter und dem 44-jährigen Hamburger Frank Burkhardt den Hof führen. Burkhardt ist der weltliche Hofleiter und trat die Nachfolge von Tim Schmolke an, der sich bei Kaufbeuren eine neue Existenz aufgebaut hat und mit seiner Frau ein Kind erwartet. (fro)

Buchvorstellung: Am 5. Januar um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Irsee: «Aufbruch Brasilien - lebendig und kraftvoll» von Pater César über die Geschichte der Fazenda da Esperança.

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