Special Hochzeit SPECIAL

Gnadenhochzeit
Elvira und Robert Schmidt sind schon seit sieben Jahrzehnten verheiratet

«Die Familie und die Musik», das ist es, was das Ehepaar Schmidt so viele Jahre lang zusammenhalten ließ. Am heutigen Samstag jährt sich ihr Hochzeitstag zum 70. Mal. Diesen Tag, so das Paar (90 und 93 Jahre alt), werden sie nur im engsten Familienkreis feiern, an die gemeinsame Zeit wird dabei sehr gerne zurückgedacht.

Kennengelernt haben sie sich im Jahr 1940 auf einem Tanzfest in Gnadenflur, einer Ortschaft der ehemaligen Wolgarepublik, im heutigen Russland. Rund einen Monat später kamen sie zusammen und wurden im darauf folgenden Jahr miteinander nach Kasachstan umgesiedelt, wo sie bis 1989 lebten.

Eine richtige Hochzeitsfeier hatten sie aufgrund des Zweiten Weltkrieges zwar nie, doch sehen sie diese schwere Zeit als Beginn ihrer Ehe. In Kasachstan bauten sie sich gemeinsam ein Haus, bekamen vier Kinder, von denen das älteste inzwischen 70 Jahre alt wird. Er, gelernter Mechaniker, arbeitete fortan als Berufsschullehrer, sie hatte eine Stelle als Kinderpflegerin. Das gemeinsame Haus, der Hof und die Kinder waren ihnen wichtig und hielten sie zusammen.

Und dann gab es noch etwas, das sie verband: die Musik. Robert Schmidt war ein begabter Geigenspieler, seine Frau war für ihren schönen Gesang bekannt. Gemeinsam traten sie im Chor, aber auch zu zweit als Duett bei Hochzeiten auf und belegten bei Musikwettbewerben oftmals den ersten Platz. Obwohl sie immer darum bemüht waren, sich zu integrieren, machte es ihnen die Nachbarschaft aufgrund des deutsch-russischen Hintergrundes nicht gerade leicht. << Wir mussten uns den Respekt erarbeiten - gemeinsam >>, so Elvira Schmidt heute. Es waren also vor allem die Familie und eben auch das Musizieren, das die beiden verband.

Nach 50 Jahren in Kasachstan, in denen << bei Gott nicht jeden Tag die Sonne schien >>, bot sich den Schmidts die Möglichkeit, zurückzugehen in die Heimat, der sie sich immer verbunden gefühlt hatten: nach Deutschland. Nach und nach kamen ihre Kinder und Enkelkinder, Familie haben sie heute keine mehr in Kasachstan. Und auch ansonsten haben sie alles zurückgelassen.

In Schwaben angekommen stellten sie sich auf einen ruhigen Lebensabend ein, den sie mit ihrem bunten Familienleben, bestehend aus mittlerweile neun Enkeln und zwölf Urenkeln, sowie gemeinsamen Reisen füllten. London, Wien und Teile Spaniens haben sie besucht und die gemeinsame Zeit so gut es ging genossen. Und auch im Allgäu war es ihnen wichtig, integriert zu sein. Robert Schmidt war unter anderem der Stadt Kaufbeuren zu verschiedenen Anlässen als Dolmetscher behilflich.

Zurückblickend auf ihre Ehe sagt Elvira Schmidt, dass sich ihr Mann immer gut benommen habe und sie << mit Gottes Hilfe auch viel Gutes erleben durften >>. Dass sie ihr Leben genießen, stellten sie mit einem Ständchen im gemütlichen Wohnzimmer unter Beweis: << Schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr >>, woraufhin Robert Schmidt mit einem Grinsen hinzufügt: << Wenn sie noch einmal käme, wärs gefährlich. >> Und auf die Frage, was sie sich für die Zukunft noch wünschen, antwortet er: << Gesundheit. Alles andere kommt von selbst. >>

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