Umwelt
Eine Güllewelle bis ins Unterallgäu

Rund 60000 Liter Gülle sind am Mittwochabend bei Salenwang in den Friesenrieder Bach geflossen. Das teilte die Polizei gestern mit. «Der gesamte Fischbestand in Friesenried ist zerstört», erklärte der Kaufbeurer Flussmeister Erich Schmid.

Selbst im 15 Kilometer entfernten Landkreis Unterallgäu seien die Auswirkungen zu spüren. Bislang sind laut Polizei mehrere Tausend tote Forellen und zahlreiche andere verendete Tiere wie Insekten und Larven festgestellt worden.

Nach Angaben der Polizeiinspektion Kaufbeuren pumpte ein Bauer nahe des Baches Gülle um und vergaß vermutlich, die Pumpe auszuschalten, sodass die Grube überlief. Da der Landwirt laut den Ermittlern den Vorfall nicht den Fachbehörden gemeldet hatte, konnte der Scheitelpunkt der Güllewelle am Donnerstag bereits in Bad Wörishofen festgestellt werden.

Besonders ärgerlich sei, dass bei einer rechtzeitigen Meldung das Unglück hätte minimiert werden können, erklärte der Flussmeister. Doch erst Anwohner benachrichtigten am Donnerstag um 7.30 Uhr das Wasserwirtschaftsamt, das zusammen mit der Polizei die Schmutzquelle am Nachmittag ausmachen konnte. «Deshalb konnten wir nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten», berichtete Schmid.

So hätte das verschmutzte Wasser in ein Regenrückhaltebecken zwischen Salenwang und Friesenried geleitet werden können und von dort auf landwirtschaftliche Flächen. Stattdessen flossen die 60000 Liter ungehindert in den Friesenrieder Bach und töteten dort den gesamten Fischbestand.

Von dort ging die tödliche Welle über Blöcktach in den Wörthbach nach Eggenthal, wo ebenfalls schon tote Fische gesichtet wurden, so Schmid. Wie sich die Lage in Baisweil auswirkt ist noch unklar, im 15 Kilometer entfernten Unterallgäu sei die Schmutzwelle aber «deutlich erkennbar», so der Türkheimer Oberflussmeister Martin Merk.

Fünf bis zehn Kilometer im Unterallgäu seien betroffen. Deshalb wurde dort reagiert: In Bad Wörishofen wurden etwa Becken und Abflüsse abgesperrt und Frischwasser in eine Fischzucht gepumpt.

«Wir haben zwar noch kein Fischsterben, aber die Entwicklung ist ungewiss», meinte Merk.

Gegen den Landwirt wird nun ermittelt, da die Behörden Strafanzeige stellten. Wie dramatisch die Natur beeinträchtigt und wie hoch der finanzielle Schaden für Fischer und Anlieger ist, sei noch nicht abzuschätzen, so die Polizei. Klar sei nur: «Wir können nur noch ohnmächtig zuschauen, weil der Fall so spät gemeldet wurde», kritisiert Schmid.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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