Erinnerung
Ein Apfel als Symbol für den Widerstand

Um herausragende Persönlichkeiten posthum zu ehren, benennt die nachfolgende Generation oft eine Straße nach ihrem Namen oder errichtet ein Denkmal. Der «Apfelpfarrer» Korbinian Aigner gehört sicher nicht zu den größten Berühmtheiten seiner Zeit. Dennoch wird ihm in diesem Jahr eine besondere Ehrung zuteil: Der Landesverband für Gartenbau und Landschaftspflege feiert seinen Wiederbegründer und langjährigen Vorsitzenden mit einer bayernweiten Pflanzaktion. Überall im Freistaat setzen Verbandsmitglieder Apfelbäume der Sorte «Korbinian». Auch in Irsee fand jetzt eine solche Gedenkfeier statt.

Zusammen mit Kaspar Rager, dem Kreisvorsitzenden des Verbandes, und Hartmut Stauder, dem Kreisfachberater für Gartenkultur und Landschaftspflege am Landratsamt, pflanzte Erwin Schuster vom Gartenbauverein Irsee zwei Korbinians-Bäume auf der Irseer Obstlehrwiese. Auch Bürgermeister Andreas Lieb und die Landtagsabgeordnete Angelika Schorer ließen sich die Gedenkaktion nicht entgehen. Der Korbiniansapfel, so Schuster, zeichne sich durch seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Frost und Kälte aus. Eine Eigenschaft, die - wenn auch im übertragenen Sinne - der Entdecker dieser Apfelsorte ebenfalls besaß: Korbinian Aigner gehörte zu den wenigen katholischen Pfarrern, die offen das nationalsozialistische Terrorregime kritisierten.

Aigner wuchs in Hohenpolding auf, studierte am Freisinger Priesterseminar Theologie und arbeitete später als Pfarrer in dem nördlich von München gelegenen Ort Hohenbrecha. 1940 verurteilten ihn die Nationalsozialisten zu sieben Monaten Gefängnis - mit der Begründung, er habe gegen das «Heimtückegesetz» verstoßen. Der Hintergrund: Nur einen Tag nach dem missglückten Münchner Anschlag auf Hitler verteidigte Aigner in einer Religionsstunde zum fünften Gebot («Du sollst nicht töten») den Attentäter Georg Elser. Den Erinnerungen seiner damaligen Schüler zufolge vertrat er während der Schulstunde die Meinung, dass Elser kein Sünder sei: Wäre das Attentat erfolgreich gewesen, so Aigner, hätte es Millionen Menschen das Leben gerettet - es war deshalb ethisch gerechtfertigt.

Vier neue Sorten gezüchtet

Im Juni 1940 entließ die Stasi Aigner aus der Haftanstalt Freising, internierte ihn allerdings sogleich für fünf Jahre in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau. Unter der Häftlingsnummer 27788 saß der Regimekritiker bis Kriegsende im Dachauer «Priesterblock». Dem täglichen Grauen zum Trotz ließ der passionierte Gärtner dort seine Leidenschaft aufleben: Auf einem kleinen Grünstreifen zwischen zwei Lagerbaracken pflanzte Aigner Apfelbäume und experimentierte mit neuen Apfelsorten. In den vier Jahren seiner Haft gelang ihm die Züchtung vier neuer Sorten. Er nannte sie KZ1 bis KZ4. Eine dieser Sorten - KZ3 - besaß eine derart hohe Qualität, dass Apfelbauern in der Gegend um Freising sie noch heute großflächig anbauen.

Korbinian Aigner überlebte die politische Verfolgung und den nationalsozialistischen Terror. Nach dem Krieg nahm er sein Priesteramt in der Pfarrei Hohenbrecha wieder auf. 1966 starb der Hobbygärtner mit 81 Jahren. Ihm zu Ehren änderte der Verband den Namen der Apfelsorte «KZ3» posthum in «Korbiniansapfel».

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