Denkmalschutz
Ehepaar in Eggenthal zieht aus Neubau in einen alten Hof

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In vielen Allgäuer Gemeinden ist der Leerstand im Ortskern ein Thema. Meist sind es aufgelassene Höfe verstorbener Besitzer, deren Kinder die Landwirtschaft aussiedelten oder in ein Neubaugebiet zogen. 'Das entwickelt sich zu einem Problem', meint Baisweils Bürgermeister Thomas Steinhauser. Ein Ehepaar in Eggenthal schlug den umgekehrten Weg ein: Es kaufte einen alten Hof im Ortskern, renovierte und bezog ihn. 'Das bewerten wir sehr positiv', meint Bürgermeister Harald Polzer.

Sanierung oft nicht finanzierbar

Das Problem sei in vielen Gemeinden schon diskutiert worden, aber eine Patentlösung gebe es nicht. Denn einerseits soll der Ortscharakter erhalten bleiben, andererseits könnten sich viele Hausbesitzer nicht leisten, ihre alten Gebäude zu sanieren, erläutert Gudrun Hummel, Abteilungsleiterin für Bauen und Umwelt im Landratsamt Ostallgäu. Noch lebten viele Altbauern in den Höfen, doch es sei nur eine Frage der Zeit, bis diese leer stünden. Die Gemeinde Irsee versucht, dem durch ein Projekt entgegen zu wirken: Sie will die Sanierung von ortsbildprägenden Gebäuden subventionieren.

Aber eine Privatinitiative wie die von Martin und Kerstin Wörle (beide 42 Jahre) in Eggenthal sei selten. Sie wohnten im elterlichen Haus in einem älteren Neubaugebiet. 'Wir sammeln Oldtimer und suchten deshalb ein altes Haus als Unterstellmöglichkeit', erläutert Martin Wörle. In der Kirchenstraße wurden sie 2009 fündig: ein Wohnhaus mit kleiner Landwirtschaft. Doch das Gebäude stand jahrelang leer. 'Der Zustand war sehr schlecht. Vieles war verschimmelt und der Putz fiel ab', erzählt der Stuckateur. 'Die Leute sagten zu uns, der Schandfleck neben der Kirche sollte eigentlich weg', ergänzt Kerstin Wörle. Doch die Durchsicht des 'ehemaligen Bauernhauses mit zweigeschossigem Satteldach mit angeschlossener Ökonomie aus dem 18.

Jahrhundert' – so die Beschreibung aus der Denkmalliste – verblüffte das Ehepaar. Zwischenbalken, Böden, Kachelofen und Beistellherd oder ein verwinkelter Dachstuhl begeisterten das Paar. 'Das Haus hat Charakter', meint die Krankenschwester. Statt es als Stellplatz zu nutzen, renovierten sie es mit Freunden in Eigenarbeit.

Sie legten verbaute Dachbalken, alte Fensterbögen und Verzierungen frei, rissen die Eternitverkleidung ab, renovierten und erhielten die schiefen Wände und Böden. Auch das Dach ließen sie neu decken.

Selbst eine Gesindewohnung und ein angebautes doppelgeschossiges Plumpsklo erhielten sie – wenngleich das obere stillgelegt und das untere modernisiert und an die Kanalisation angeschlossen wurde.

'Volkskundlich sehr interessant'

Besonders die beiden Anbauten seien hochinteressant, erklärt Anton Hohenadl von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Zwar zeigt er sich wenig erbaut, dass sein Amt nicht zu der Arbeit hinzugezogen wurde, denn insbesondere die Authentizität eines Gebäudes sei dessen Wert. Lobenswert aber sei, dass die 'seltene und deshalb volkskundlich sehr interessante Austragswohnung' erhalten blieb. Das gelte auch für die Plumpsklos. Die seien generell zwar erst im 19. Jahrhundert angebaut worden, aber inzwischen größtenteils verschwunden, so Hohenadl.

'Es ist begrüßenswert, dass das Haus gekauft und renoviert wurde', meint er. Für Bürgermeister Polzer 'ist das ein gutes Beispiel, um Leerstand zu vermeiden'. Und für die neuen Besitzer ist es nun schlicht 'schön und richtig gemütlich', meint Kerstin Wörle.

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